27.11.2008 Fachtagung Basisbildung

Bericht zur Fachtagung
„Basisbildung (er-)öffnet Türen und neue Chancen – Lesen, Schreiben und Rechnen für Erwachsene“

LR Dr.in Bettina Vollath, Dr.in Iris Ferjan
gruppe 01 - 27.11.2008 Fachtagung Basisbildung
v.l.: Mag. Grete Dorner,  Mag. Ronald Zecha,  HOL Elisabeth Meixner
Im Rahmen des Projektes „Basisbildung Oberes Murtal“, einem Kooperationsprojekt von Bildungsnetzwerk Steiermark, ISOP GmbH und IFA Steiermark, fand Ende 2008 in Zusammenarbeit mit dem Schulungszentrum Fohnsdorf die Fachtagung „Basisbildung – (er-)öffnet Türen und neue Chancen“ statt.

Für das Schulungszentrum Fohnsdorf begrüßte die pädagogische Leiterin des SZF, Frau Dr.in Iris Ferjan, die Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmer. Sie betonte, dass das Schulungszentrum Fohnsdorf bereits in der Vergangenheit erfolgreiche Kooperationen mit dem Bildungsnetzwerk Steiermark durchgeführt habe.

Im Anschluss daran hießen der Vorsitzende des Bildungsnetzwerkes Steiermark, Herr Dr. Peter Härtel, Frau Landesrätin Dr.in Bettina Vollath, die Vizepräsidentin des Steirischen Landesschulrates HOL Elisabeth Meixner und die Geschäftsführerin des Bildungsnetzwerkes Steiermark, Frau Mag.a Grete Dorner, alle Referentinnen und Referenten, die Projektpartner sowie alle Anwesenden herzlich willkommen.

Dr. Härtel hob in seinen Begrüßungsworten die Bedeutung von Basisbildung und deren notwendige Einbindung in den lebenslangen Bildungsprozeß hervor. Basisbildung ermögliche erst den Zugang und in weiterer Folge den Bestand am Arbeitsmarkt und gewährleiste die Teilhabe an der Gesellschaft.

Landesrätin Dr.in Bettina Vollath konstatierte, dass laut Pisastudie 20 % der Jugendlichen nicht sinnerfassend lesen können. Eine Reform des gesamten Bildungswesens sei eine Notwendigkeit und sie wies in diesem Zusammenhang auf das neue Regierungsprogramm hin, das eine Vereinheitlichung der LehrerInnenausbildung vorsehe.

In der Erwachsenenbildung müsse es mehrfache Chancen geben, Basisbildungskompetenzen zu erlernen bzw. zu trainieren. Zentrale Fragestellungen für Bildungsanbieter sind hier die Identität und die Erreichbarkeit der Zielgruppen.

Frau Vizepräsidentin HOL Elisabeth Meixner hob die Zuständigkeit der Schulbehörde für 1000 Schulen und insgesamt 468.000 SchülerInnen hervor. Die Schulen, so betonte sie, leisten hervorragende Arbeit. Die Tatsache, dass in Europa 3% – 10 % der Menschen Schwierigkeiten mit Grundkulturtechniken haben, müsse man zur Kenntnis nehmen. Initiativen im Bereich der Basisbildung sieht der Landesschulrat positiv und bietet sich hier sehr gerne als Kooperationspartner an.

Mag.a Grete Dorner erinnerte im Rahmen ihrer Moderation an die 1. Tagung zu diesem Thema im April 2006. Die Hauptreferentin damals, Frau Prof.in Gertrude Kamper aus Berlin, hatte aufgrund der Komplexität der Fragestellungen noch Bedenken in Bezug auf die Umsetzungsmöglichkeiten des Projektes Basisbildung geäußert. Das Bildungsnetzwerk Steiermark hat sich dem Wagnis dennoch gestellt und kann nun mit seinen Projektpartnern ISOP GmbH und IFA Steiermark bereits erste Ergebnisse präsentieren.

So stellte Dr. Peter Stoppacher von IFA Steiermark eine umfassende Analyse der Zielgruppen für Basisbildungsangebote in der Region vor. Der zentralste Ort, wo Bildungsmängel sichtbar werden, sei der Arbeitsmarkt. Daraus bildete er den Rahmen für seine Überlegungen zu Typologien der Zielgruppen. Denn erst durch eine differenzierte Wahrnehmung der Unterschiedlichkeit der einzelnen Personen und Situationen innerhalb der Zielgruppen können adäquate Kommunikation und spezifische Angebote entwickelt werden.

Mag. Otto Rath, Mag. Peter Schlögl
Dr. Peter Stoppacher
gruppe 02 - 27.11.2008 Fachtagung Basisbildung
Dipl.Päd. Sandra Fülle
Brigitte Bauer
Mag. Peter Schlögl vom Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung führte in seinem Referat aus, dass die bei uns vorherrschende Stigmatisierung (wie z. B. Analphabetismus oder fehlende, geringe Basisqualifikationen etchttp://www.bildungsnetzwerk-stmk.at//0901/.) oftmals zu Techniken von Täuschung und Informationskontrolle bei den Menschen führen würde. Mag. Schlögl stellte einige kritische Fragen wie z. B. nach der Bedeutung des Defizitdenkens in unserer Gesellschaft, nach der Schwierigkeit, individuelle Entwicklungsprozesse, die außerhalb der „Norm“ liegen, im Bildungssystem anzuerkennen oder nach der Schwierigkeit gemeinsame Lösungen im Bildungswesen zu finden.

Mag. Otto Rath ging in seinem Referat auf die 7 Schlüsselbereiche von Basisbildungsangeboten für Erwachsene ein: Von der Vorbereitung der Organsiation, der Entwicklung der Angebote, den TrainerInnen, der Einstellungen der AkteurInnen, der Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit, den erforderlichen Ressourcen bis zu den notwendigen Vernetzungen und Partnerschaften stelle eine derartige Angebotsplanung erhöhte Ansprüche an alle beteiligten Personen und Bildungsanbieter.

Dipl. Päd. Sandra Fülle berichtete im Anschluss über die Ergebnisse einer Befragung steirischer Betriebe, die im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft In.Bewegung II durchgeführt wurde. Befragt wurden die Betriebe hinsichtlich ihrer Anforderungen, die sie an künftige Lehrlinge in den Bereichen Mathematik, Deutsch, Englisch, Sozialkompetenzen, persönliche Kompetenzen stellen. Im Bereich Mathematik sei die Differenz zwischen den vorhandenen und den geforderten Fähigkeiten am größten, so Fülle.

Frau Brigitte Bauer vom abc-Salzburg und Herr Mag. Ronald Zecha von der Volkshochschule Tirol berichteten von ihren Erfahrungen im Bereich der Basisbildungsarbeit. Frau Bauer hob die Wichtigkeit der Kontinuität in der Basibildungsarbeit hervor, weiters die notwendige Zusammenarbeit mit den bestehenden Einrichtungen in der Region, die österreichweite Vernetzung, die Information der Meinungs- und EntscheidungsträgerInnen über die Dimensionen des Phänomens, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, die Zusammenarbeit mit den Medien und die enge Zusammenarbeit mit den eigentlichen ExpertInnen – mit den KursteilnehmerInnen.

Herr Mag. Ronald Zecha führte seine Überlegungen zum Thema „Positivkommunikation als Schlüssel in der Basisbildungsarbeit“ aus. Wichtig sei es, den Betroffenen Mut zu machen. Betroffene, „Vertrauenspersonen“ und die Gesellschaft, Medien und Institutionen müßten als Dialoggruppen in der Öffentlichkeitsarbeit unterschieden werden.

Am Marktplatz für Dialog und Information konnten sich in der Pause alle Interessierten Informationen zu den Themen Vernetzung, TrainerInnenausbildung, Produktentwicklung, Zielgruppenanalyse und den Ergebnissen der Betriebsbefragung holen.

Für Rückfragen zur Fachtagung bzw. zum Themenfeld steht Ihnen
Frau Mag.a Andrea Stolz (andrea.stolz@eb-stmk.at) gerne zur Verfügung.