Übergabe der Geschäftsführung im Bildungsnetzwerk Steiermark

Mag.a Grete Dorner übergibt die Geschäftsführung des Bildungsnetzwerkes Steiermark mit April 2017 an Mag.a Waltraud Pratter.  In einer kleinen Feier mit VertreterInnen aus dem Vorstand des Bildungsnetzwerkes, des Landes Steiermark, MitarbeiterInnen und langjährigen WegbegleiterInnen wurde Grete Dorner verabschiedet.

 

Im Rahmen der Feier blieb auch Zeit für ein kleines Gespräch mit Grete Dorner, an dem wir Sie gerne teilhaben lassen möchten:

Liebe Grete,  kannst du dich noch erinnern, was der Anlass war, der dich damals vor 14 Jahren ins Bildungsnetzwerk Steiermark geführt hat?

Aber sicher: Es war damals in den Anfängen des Wandels hin zur projektorientierten Arbeiten in der Erwachsenenbildung. Ich hatte ein Konzept für regionale Erwachsenenbildung – heute würde man „Community Education“ sagen – entwickelt und mich seit den 90er-Jahren im Auftrag der damaligen Förderungsstelle des Bundes intensiv mit dem Aufbau regionaler Bildungs- und Beratungsangebote beschäftigt. Die Förderungsstellen des Bundes wurden dann 2003 österreichweit geschlossen. Diese beiden Aspekte – die zunehmend projektorientierte Bildungsarbeit und die durch die Schließung der Förderungsstellen entstandene Lücke in der Koordinations- und Netzwerkarbeit – waren mit Gründe dafür, dass sich das Bildungsnetzwerk Steiermark als Verein konstituiert hat und es war auch der Beginn meiner Aufbauarbeit im Bildungsnetzwerk.

Das Bildungsnetzwerk Steiermark feiert heuer sein 15-jähriges Bestandsjubiläum. Du warst von Beginn an mit dabei und hast das Bildungsnetzwerk als Geschäftsführerin mit aufgebaut. Was hat sich in dieser Zeit, deiner Ansicht nach, in der Erwachsenenbildung am stärksten gewandelt?

Am deutlichsten ist der stetig steigende Trend und Anspruch zur schnellen Verwertbarkeit von Bildung und Weiterbildung zu Tage getreten. Es geht heute bei Weiterbildungen immer stärker nur um den unmittelbaren Nutzen für beruflichen Aufstieg oder den Erhalt eines Arbeitsplatzes. Ökonomische Denkmodelle bestimmen alle Werte – auch in der Weiterbildung. Auch Werner Lenz beschreibt in einem seiner letzten Bücher [Anm: Werner Lenz: Bildung – eine Streitschrift.] genau diese entstandenen Mängel in unserem Bildungssystem. Es sind zunehmend vernachlässigte Bereiche, die sich nicht in Zahlen messen lassen und somit kein bilanzierbares Wirtschaftsgut darstellen, sie wirken indirekt aber weitreichend auf die und in der Gesellschaft. Hier geht es etwa um Persönlichkeitsbildung zur Urteilsfähigkeit, Solidarität und Kreativität.

Besonders viel kreatives Potenzial und größtmögliche Freiräume sind auch für das organisationale Lernen so wichtig, um dem Anspruch an die Erwachsenenbildung, sich zu öffnen und auf die sich permanent verändernde Gesellschaft zu reagieren und mit ihr zu interagieren. Diese Offenheit für Neues bedarf förderlicher Rahmenbedingungen. Innerhalb der letzten Jahren ist der administrative Aufwand in der Erwachsenenbildung aber unverhältnismäßig angestiegen und steht meiner Ansicht nach kaum mehr im richtigen Verhältnis zur tatsächlichen Bildungsarbeit. Die kreative Weiterentwicklung bleibt da wegen mangelnder Ressourcen leider oft auf der Strecke.

Siehst du auch positive Entwicklungen in der Erwachsenenbildungslandschaft?

Aber ja natürlich! Es gab und gibt sehr viele positive Entwicklungen in der Erwachsenenbildung! Ich denke, dass innerhalb der letzten Jahre z. B. das Lebensbegleitende Lernen im öffentlichen Bewusstsein wirklich angekommen ist. Es ist schön zu sehen, dass es für so viele Menschen bereits selbstverständlich geworden, über die gesamte Lebensspanne hinweg zu lernen, am Puls der Zeit zu bleiben und neues auszuprobieren.

Auch ist es beispielsweise – trotz aller Startschwierigkeiten – mit der Initiative Erwachsenenbildung gelungen, Basisbildungsangebote und das Nachholen von Pflichtschulabschlüssen in jedem Lebensalter für die Teilnehmenden kostenlos zu ermöglichen. Wirklich große, kooperative Entwicklungsschritte!

Zudem hat sich die Kommunikation und Kooperation mit und zwischen den unterschiedlichsten Bildungsorganisationen ausgesprochen positiv zu einem offenen Miteinander entwickelt. Es sind so viele positive Entwicklungen, sowohl in der Erwachsenenbildung allgemein, als auch im und aus dem Bildungsnetzwerk Steiermark heraus gelungen.

Wenn du zurückschaust, gibt es etwas, das Dich besonders stolz macht?

In der langen Spanne kann ich auf so vieles, was mich mit Freude und auch Stolz erfüllt zurückblicken. Es konnten wesentliche und spannende Projekte entwickelt und umgesetzt werden, wichtige Prozesse wurden initiiert, … es sind aber vor allem zwei Dinge, die mich heute besonders freuen und hierfür muss ich nicht einmal besonders weit zurückblicken:

Besonders freut mich, dass die LLL-Strategie des Landes Steiermark 2017-2022 jetzt vorliegt. Ich war bei der Entwicklung der LLL Strategie aktiv am Prozess beteiligt und all dies, was in den letzten Jahren seitens der Erwachsenenbildung an Überzeugungsarbeit geleistet worden ist, steht jetzt zu einem guten Teil in diesem richtungweisenden und zukunftsfähigen Strategiepapier. Das freut mich sehr und es erfüllt mich auch mit Stolz, dass dies gelungen ist. Nun gilt es diese Rahmenstrategie mit Inhalten zur füllen und ich werde die Entwicklungen gespannt weiterverfolgen.

Und es ist es mir eine große Freude, dass ich die Geschäftsführung des Bildungsnetzwerkes Steiermark nun mit klaren Aufgaben und mit einem multiprofessionellen Team an Mag.a Waltraud Pratter übergeben kann – eine proaktive und konstruktive Weiterführung des Bildungsnetzwerkes sehe ich auf diese Weise gewährleistet. Das ist mir schon sehr wichtig.

Fällt dir der Abschied in die neue Lebensphase leicht?

Ehrlich gesagt gebe ich jetzt, nach dieser langen Zeit der Geschäftsführung, die Verantwortung sehr gerne weiter. Für inhaltliche Vertiefung in für mich besonders interessante Bereiche der Erwachsenenbildung, wie etwa das Lernen älterer Menschen, ist mir in den letzten Jahren kaum Zeit geblieben – das werde ich nun sehr genießen. Auch habe ich vor, meine Aufgaben bei der WBA [Weiterbildungsakademie Österreich] weiter zu verfolgen. Ich gebe also zwar die Verantwortung der Geschäftsführung weiter, habe aber noch nicht vor, in einen ruhigen Ruhestand zu gehen!

Vermissen aber werde ich, das weiß ich jetzt schon, die intensive Zusammenarbeit im Bildungsnetzwerk-Team und mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus dem Verein und den Netzwerken. Ich hoffe aber, dass sich viele Gelegenheiten des Wiedersehens ergeben, denn nun wird für mich auch mehr Zeit sein, interessante Fachveranstaltungen zu besuchen.

Liebe Grete,

das Team des Bildungsnetzwerk Steiermark wünscht Dir auch auf diesem Wege noch einmal das Allerbeste für Deinen neuen Lebensabschnitt und wir freuen uns schon darauf, Dir bei vielen Veranstaltungen und Gelegenheiten im Kontext der Erwachsenenbildung und darüber hinaus zu begegnen und uns mit Dir auszutauschen.


Bildungsnetzwerk Steiermark

Claudia Zülsdorff

claudia.zuelsdorff@eb-stmk.at | 0316/ 821373-21