Der Tag der Weiterbildung 2017

Digitalisierung in der Erwachsenenbildung – Erwachsenenbildung 4.0

Ein Rückblick und Unterlagen zur Veranstaltung

Über 70 Vertreterinnen und Vertreter der steirischen Erwachsenenbildungsorganisationen, des Landes Steiermark und des Landes Kärnten sind der Einladung zum Tag der Weiterbildung 2017 ins Bildungshaus Schloss St. Martin gefolgt und haben sich zum Themenschwerpunkt Digitalisierung in der Erwachsenenbildung – Erwachsenenbildung 4.0 informiert und ausgetauscht.

Durch die Veranstaltung führten Dr. Peter Härtel und Mag.a Waltraud Pratter, der Vorstandsvorsitzende und die Geschäftsführerin des Bildungsnetzwerkes Steiermark.lr1 - Der Tag der Weiterbildung 2017

„In der Steiermark sind durch die umfassende Digitalisierung die Bereiche des gesamten Ressorts Bildung und Gesellschaft stark gefordert, denn es sind Fragen offen, die vor 10 Jahren noch nicht denkbar gewesen wären […]. Die rasant zunehmende Digitalisierung trifft und schafft Themen und auch Problematiken, die jedenfalls völlig neu zu diskutieren und zu klären sind“, betonte Landesrätin Mag.a Ursula Lackner (Foto oben) in ihren Begrüßungsworten zum Tag der Weiterbildung.

Digitalisierung ist ein wichtiges, aktuelles und herausforderndes Thema im gesamten Bildungsbereich. Es ändern sich Lernformen und auch das Lernverhalten der Menschen. Dabei ist zu bedenken, dass eine beträchtliche Anzahl von Menschen aktuell digital noch gar nicht erreichbar ist. Diese sogenannten „digital Gaps“ gilt es zu reduzieren und ihnen entgegenzuwirken. Kooperation und Vernetzung werden im Zuge der umfassenden Veränderungsprozesse neue und sehr hohe Stellenwerte erhalten.

Die Digitalisierung als Herausforderung für die Erwachsenenbildung

Digitalisierung und Industrie 4.0 sind in aller Munde. Die Entwicklung erfasst alle Lebensbereiche der Menschen und wird als unumkehrbar angesehen. Sind wir darauf vorbereitet? Was bedeutet das für Schule und Ausbildung und wie müssen wir in der beruflichen Weiterbildung darauf reagieren? Die Arbeitswelt ist in Veränderung, viele von uns werden bald schon etwas Anderes tun.

Die Entwicklungen sind schnell, meist zu schnell, denn nicht was den Menschen, dem Menschen nutzt, steht im Vordergrund, sondern der innere und äußere Druck, dabei zu bleiben und den Anschluss nicht zu verlieren.ref1 - Der Tag der Weiterbildung 2017

(Foto v.l.: Peter Zellmann, Waltraud Pratter, Gerhard Bisovsky, Anna Thaller, Peter Härtel)

Trotz aller technologischen Errungenschaften, die Zeit- und Ressourcenersparnis versprochen haben, stehen wir heute paradoxerweise vor dem Problem, immer weniger Zeit zu haben. Die Digitalisierung und immer schnellere Entwicklungen fordern Individuen, Politik, Arbeitsmarkt und Bildungswesen gleichermaßen. Den Bereichen Schule und Erwachsenenbildung kommt bei der Alltagsbewältigung und Zukunftsgestaltung eine ausgesprochen hohe Bedeutung zu. Dennoch werden bei Fragen nach der Zukunft überwiegend die technischen Machbarkeiten diskutiert. 

Was sollten wir, was sollten unsere Kinder heute lernen? 

Bei persönlichen Entscheidungen sind wir zunehmend auf MeinungsbildnerInnen und ExpertInnen angewiesen. Die Unterscheidung zwischen wissenschaftlich abgesicherten Fakten, bezahlten Studien und persönlichen, nicht beweisbaren Meinungen wird immer schwieriger. Sollte nun allen alles gelehrt werden? Nein, natürlich nicht.

Die Lösung liegt nicht unbedingt in einer höheren Qualifizierung, sondern vor allem in einer anderen. Im Vortrag von Prof. Peter Zellmann (Institut für Tourismus- und Zukunftsforschung) wurden Lösungsansätze vorgetragen und zur Diskussion gestellt. Für Zellmann sind in erster Linie einige wesentliche Schlüsselkompetenzen erforderlich, die in der Gestaltung der Gegenwart und Zukunft unverzichtbare Komponenten für das Individuum sind. Sicher ist: Medien und Textkompetenz sind und werden gefragter denn je. Darüber hinaus gilt es politische Bildung, soziale Interaktion, Umgangsformen und Kreativität zu fördern. Hier sieht Zellmann klare Aufträge an Schule und Erwachsenenbildung gleichermaßen. 

Basisbildung und Medienkompetenz

Surfen und Online-Shoppen alleine sind noch längst keine digitale Kompetenz. Es gilt, sich intensiv mit Fragen, wie etwa „Wie entstehen Informationen im Netz?“ „Wie werden sie verbreitet?“ „Wie funktionieren Suchmaschinen?“ und „Wie schütze ich meine Privatsphäre?“ zu beschäftigen, damit die digitalen Möglichkeiten wirklich genutzt werden können.

Dr. Gerhard Bisovsky (Verband Österreichischer Volkshochschulen) betonte die dringend erforderliche Erhöhung der Medienkompetenz und erklärte, dass gefühlte Nicht-Kompetenz bzw. fehlende Kompetenzen und auch nicht erkennbarer Nutzen v.a. für formal schlechter gebildete Personen und Personen über 60 Jahren die stärksten Argumente für eine Internet-Absenz darstellen. Bisovsky sieht für die Erwachsenenbildung große Aufgaben, sowohl in der Bildungspolitik, bei Entwicklungsaufgaben innerhalb der Bildungsorganisationen und auch in der Lehre direkt – hier in erster Linie in der Basisbildung. Es gilt, um in unserer digital gestützten Wissensgesellschaft dem „digital Gap“ entgegenzuwirken, sowohl verstärkt Lese- und Schreibkompetenzen, als auch digitale Kompetenzen aufzubauen und zu stärken.

Bisovsky prognostiziert auch, dass das Lernen und Lehren in und mit Erwachsenenbildungsorganisationen sich vielerorts verändert, aber jedenfalls an Bedeutung gewinnen wird. 

Nach den interessanten Vorträgen bestand die Möglichkeit, sich in Workshops gemeinsam mit den Workshop-LeiterInnen Dr. Gerhard Bisovsky, Dr. Peter Härtel, Jürgen Gries, Katrin Reiter, MA und Carmen Bayer vertiefend mit unterschiedlichen Aspekten der Digitalisierung in der Erwachsenbildung auseinandersetzen.

Vielen Dank!

Vielen Dank an die Referenten, ModeratorInnen und Workshop-LeiterInnen, die mit ihrer Expertise und ihrem Engagement zum Gelingen des Tages der Weiterbildung beigetragen haben.

Ein großer Dank gilt Direktorin Anna Thaller und dem gesamten Team aus dem Bildungshaus Schloss St. Martin für die überaus gute Kooperation vor und während des Tages der Weiterbildung und die Möglichkeit, die schönen Räumlichkeiten des Schlosses zu nutzen.laube - Der Tag der Weiterbildung 2017

Das Bildungshaus Schloss St. Martin ist das älteste Bildungshaus in der Steiermark. Wer aber glaubt, dass Alter und die lange Tradition und aktuelle Entwicklungen, wie z.B. die Digitalisierung, einander im Wege stehen oder gar ausschließen, wird in diesem Bildungshaus schnell seine Meinung ändern. Tradition, Moderne und Digitalisierung stehen, sich positiv ergänzend, nebeneinander – und dies ganz im Sinne der Bildungskundinnen und Bildungskunden, denn in St. Martin stehen immer Menschen, Lehrende und Lernende, im Mittelpunkt!

Danke an alle Bildungseinrichtungen, die ihr Feedback zu den Fragen im Vorfeld der Veranstaltung eingebracht haben und jenen Organisationen, die in der Vorbereitungsgruppe mitgearbeitet haben.

Ein besonderer Dank geht an das Land Steiermark, das Ressort Bildung und Gesellschaft sowie die Abteilung 6, für die gute Kooperation und die Möglichkeit, den Tag der Weiterbildung stattfinden zu lassen.

Alle Themen, Arbeits- und Diskussionsergebnisse der Veranstaltung werden nun in die weiterführende Arbeit im Bildungsnetzwerk direkt einfließen. So entstanden bereits während der Veranstaltung unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Kontakte, Kooperationsideen und erste Ansätze zur Weiterentwicklung des Themenfeldes „Digitalisierung in der Erwachsenenbildung“ und darüber hinaus.

Unterlagen zu den Vorträgen und Workshops:

Für Rückfragen

und weitere Ideen zu den diskutierten Themen und zur Veranstaltung können Sie sich immer gerne an uns wenden:

Bildungsnetzwerk Steiermark

Claudia Zülsdorff

claudia.zuelsdorff@eb-stmk.at | 0316 821373-21


Der Tag der Weiterbildung 2017 wurde in einer Kooperation von Steiermärkischer Landesregierung (A6), Bildungsnetzwerk Steiermark und Bildungshaus Schloss St. Martin durchgeführt.wb4 - Tag der Weiterbildung 2017