kbw - kbw September 2010Abenteuer ELTERN.SEIN – Elternbildung nicht für sondern mit Eltern
45 000 Teilnehmende in 2 500 Veranstaltungen
Guten Grund zum Feiern hatte das Katholische Bildungswerk der Diözese Graz-Seckau.

Nämlich die Erfolgsgeschichte der Elternseminare, die im Jahr 1990 im Familienreferat mit den ersten Geburtsvorbereitungskursen für werdende Eltern ihre ersten Schritte machten. In den folgenden Jahren wurden Seminare für Eltern von Kindern jeden Alters entwickelt. Steiermarkweit wurden mit Elternbildungsangeboten in den 20 Jahren
45 000 Teilnehmende in 2 500 Veranstaltungen erreicht, dazu kommen mehr als 165 Eltern-Kind-Gruppen mit jährlich 4 800 Teilnehmenden – ein Erfolg, der mit einem Fest in Schloss Seggau gebührend gefeiert wurde.

„Abenteuer ELTERN SEIN“ – Unterstützung in herausfordernder Zeit
„Noch nie waren die Anforderungen an Mütter und Väter und die Verunsicherung über die richtige Erziehung, so groß wie heute“, betonte einleitend Ute Paulweber, Geschäftsführerin des Katholischen Bildungswerkes, in dem der Bereich Elternbildung seit 2007 angesiedelt ist. Die Elternbildungsangebote stehen nun unter dem Motto „Abenteuer Eltern Sein“ und sind eine wertvolle Unterstützung in diesen herausfordernden Zeiten. Einheiten für werdende Eltern sind ebenso gefragt wie Seminare für die erste Zeit mit dem Baby, mit Kleinkindern, Schulkindern, bis hin zu Pubertierenden, die ihren Müttern und Vätern sehr häufig ein „Abenteuer Achterbahn“ bescheren. Ergänzt wird das Angebot, durch Seminare für Großeltern und für Eltern von Kindern mit Behinderung. Wer mit seinen Kindern den christlichen Glauben in den Alltag und bei der Gestaltung der großen Feste integrieren möchte, findet Unterstützung in der 2008 entwickelten Reihe „Abenteuer Glaube“.

Dankbarer Rückblick und künftige Herausforderungen
Beim Jubiläumsfest blickte man nicht nur auf Erreichtes zurück, sondern wandte den Blick vor allem auf künftige Herausforderungen. Schon im Vortrag von Dr. Manfred Pretis kristallisierte sich als Hautproblem die Tatsache heraus, dass gerade jene Eltern von Bildungsangeboten nicht erreicht werden, die sie am nötigsten brauchen würden. Eine Feststellung, die auch in den Statements der Diskussionsteilnehmer/innen ( Mag. Elisabeth Grossmann, Landesrätin für Bildung, Jugend und Familie, Bildungswerk-Geschäftsführerin Ute Paulweber, Gemeinderätin Sissi Potzinger, Dr. Pretis und Mag. Martina Staffe, Leiterin der Abteilung Jugendwohlfahrt und Kinderrechte im BM für Gesundheit, Familie und Jugend) zum Ausdruck kam.

Niederschwellige Angebote ohne Zwang
Die „bildungsfernen“ Schichten mit möglichst niederschwelligen Angeboten anzusprechen, wird die größte Herausforderung für Elternbildung sein. Denn dass kompetente Elternbildung in der heutigen Zeit, in der Eltern-Sein tatsächlich zum „Abenteuer“ geworden ist, hilfreich und oft notwendig ist – darüber waren sich alle einig. Allerdings, so der Tenor, seien „Zwangsverpflichtungen“ nicht zielführend. .Manfred Pretis machte deutlich: Allein der Begriff „Elternbildung“ könne bei „verletzlichen“ Eltern einen unguten Beigeschmack hervorrufen, ganz zu schweigen von verpflichtenden oder aufgezwungenen Angeboten, wie dem manchmal angedachten „Elternführerschein“. „Viele Eltern wollen nicht ‚gebildet‘, sondern vielmehr von Angeboten ‚begleitet‘ und in ihrer Elternschaft respektiert werden,“ so der Referent. Wenn man ihnen vermittle, dass sie nicht alles falsch machen, sei meist auch eine Tür in Richtung weiteren Lernens und Ausprobierens geöffnet.

Herausforderung „Väterbildung“
Ute Paulweber setzt in diesem Zusammenhang vor allem auf „möglichst frühe und bessere Motivation und einfühlsames Herantragen“. Eine der größten Herausforderungen sei auch die „Väterbildung“ – nur 13 Prozent der Teilnehmenden an Elternbildungsveranstaltungen sind Väter. Und Grossmann bekräftigte: “Nur wenn wir die Väter gewinnen, werden traditionelle Rollenbilder aufbrechen – damit auch die Burschen sich Gedanken machen, wie Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen sind.“

Qualität statt Quantität
„Wie viel Eltern braucht mein Kind – Welche Kompetenzen brauchen Eltern?“ fragte Manfred Pretis in seinem Vortrag und stellte klar: „Es geht nicht um Quantität, sondern um Qualität. Kinder brauchen mindestens eine stabile, verfügbare Bezugsperson, die feinfühlig auf ihre Bedürfnisse eingeht.“ Eltern seien dann „gut genuge Eltern“ wenn sie die Bedürfnisse ihrer Kinder wahrnehmen und “passend“ interpretieren und bewerten können. Das können sie aber nur, wenn sie über die nötigen Kompetenzen und Mittel verfügen, das umzusetzen, was sie planen bzw. dem Kind versprechen. Elternbildung vermittle Informationen und Erziehungswissen, fördere die Erziehungsfähigkeiten (z.B. elterliche Feinfühligkeit, liebevolle Konsequenz) und stärke die elterlichen Kompetenzen, unterstrich er nochmals den Wert derartiger Angebote.

Mit Gottes Hilfe allem gewachsen
„Voll Vertrauen gehen wir den Weg mit dir, mein Gott“ – im gemeinsamen Lied beim anschließenden Gottesdienst mit dem geistlichen Assistenten der Katholischen Aktion Steiermark, Kan. Mag. Christian Leibnitz, kam zum Ausdruck, was Ute Paulweber eingangs schon betont hatte: Mit Gottes Hilfe sieht man sich als größter Elternbildungsträger der Steiermark auch in den nächsten 10 Jahren der „herausfordernden und bereichernden Aufgabe“ gewachsen, Eltern in einer dialogischen Form in ihrer Erziehungsarbeit zu begleiten.

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