feld - NL April LiteraturtippLiteraturtipp:
Timm C. Feld, Netzwerke und Organisationsentwicklung in der Weiterbildung

Welche Bedeutung haben Netzwerke im Bereich der Erwachsenenbildung in den letzten Jahren tatsächlich erlangt und wie tiefgreifend sind ihre Wirkungsweisen? Mit diesem Band liegt eine Studie vor, die durch qualitativ-empirische Untersuchungen die Auswirkungen konsequenter Netzwerkarbeit erstmals systematisch in Bezug auf sich verändernde Strategien, Strukturen und Kulturen innerhalb der Organisationen erfasst.

Die Studie wird im klassisch-wissenschaftlichen Aufbau präsentiert: Nach einer kurzen Einführung ins Themenfeld werden die theoretischen Bezugsrahmen und die Bedeutung der Thematiken dargelegt und die Forschungs- und Auswertungsmethoden vorgestellt. Die detailliert dargelegten Studienergebnisse sind übersichtlich präsentiert. Anregungen für netzwerkorientierte Organisationsentwicklung als Gestaltungsoption runden die Publikation ab.

Feld beschreibt, was ein Netzwerk ist und sein kann, was es bewirken kann oder könnte und welche Einflüsse zu einer grundlegenden Änderung der Organisationskultur führen können. Er fügt dem relativ jungen Bereich „Netzwerkorientierung“ in der Organisationsentwicklung Aspekte der bislang noch vernachlässigten innerorganisatorischen Perspektive hinzu und zeigt die tatsächlichen Herausforderungen, Problemfelder und Potenziale der Netzwerkarbeit in der Praxis auf.

Für Bildungseinrichtungen liegen die offensichtlichsten und unumstrittenen Gewinne aus interorganisatorischer Netzwerkbeteiligung im Auf- und Ausbau von Kontakten und einer verbesserten Außendarstellung, in der möglichen Bündelung von Ressourcen im Netzwerk und der Nutzung wertvoller Synergieeffekte. Hohe Erwartungen und die Realität liegen manchmal allerdings noch etwas auseinander. Schwierig gestaltet sich z. B. die durchwegs gewünschte und erwartete Nachhaltigkeit der im Netzwerk synergetisch zusammengetragenen Expertise, die sich in der Praxis oft schnell wieder in die einzelnen beteiligten Organisationen aufteilt – gutes und verlässliches Netzwerkmanagement ist gefragt.

Netzwerkarbeit bedingt, dass unterschiedlichste Organisationskulturen aufeinander treffen. Während manche Einrichtungen auf kulturell bedingte interorganisatorischen Kommunikationsschwierigkeiten auf der Netzwerkebene stoßen, haben andere Einrichtungen mit internen Hürden, wie einer organisationsintern zu wenig systematisch-strategischen Netzwerkbearbeitung bzw. sogar mit der prinzipiellen Ablehnung von Netzwerkarbeit zu kämpfen.

Konsequente Netzwerkarbeit kann zur Profilschärfung der eigenen Organisation beitragen, was als direkte Auswirkung neben einer Reduktion defizitärer Bereiche auch das Erschließen neuer Marktsegmente mit sich bringen kann. Kann – muss aber nicht, denn gerade hier können sich Stolpersteine aufbauen: Wird die richtige Balance zwischen synergetischem Zusammenwirken und Abgrenzung nicht gefunden, bzw. nicht ständig neu definiert, können durch die Netzwerkbeteiligung ungewollt Profilunschärfen produziert werden.

Analysen der „Lernenden Regionen“ in Deutschland zeigen, dass die Bildung von bereichsübergreifenden Netzwerken auf regionaler Ebene für die Realisierung des lebensbegleitenden Lernens förderlich und notwendig ist. Die Beteiligung an interorganisatorischen Netzwerken wird für Bildungseinrichtungen zunehmend zur Selbstverständlichkeit.

Feld zeigt mit der Studie deutlich, dass durch diese notwendigen Netzwerkbeteiligungen nicht nur die sichtbaren Strukturen, sondern auch Selbsteuerungsfähigkeit und Organisationskultur beeinflusst werden. Bildungseinrichtungen sind dringend gefordert, entsprechende interne Netzwerkkompetenzen herauszubilden, um bestehen zu können, denn es ist ein Irrtum zu vermuten, dass die Netzwerkarbeit in erster Linie externe Anpassungsleistungen verlangt.  Es sind wesentliche organisationsinterne Veränderungen und adäquate strategische Ausrichtungen, die notwendig werden.

Die Veränderungen sind nicht als einmaliger organisationaler Wandel zu verstehen, sondern als kontinuierlicher Prozess. Der Wandel wird zum Normalfall. Viel Neues für die Bildungsorganisationen – der Netzwerkgedanke löst Planungs- und Kooperationsgedanken ab und gewinnt notwendigerweise als neue Form der Steuerung an Bedeutung – das Netzwerk selbst wird zur möglichen Organisationsform. 

Netzwerkorientierte Organisationsentwicklung ist ein junges, aktuelles Forschungs-, Aktions- und Entwicklungsfeld. Der Band ist eine empfehlenswerte Lektüre für ManagerInnen – und das nicht nur – in der Erwachsenenbildung.

Rezensentin:
Claudia Zülsdorff (claudia.zuelsdorff@eb-stmk.at)


Timm C. Feld, Netzwerke und Organisationsentwicklung in der Weiterbildung
wbv 2011, Reihe: Theorie und Praxis der Erwachsenenbildung
ISBN 978-3-7639-4860-4

Timm C. Feld ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Marburg und beim Deutschen Institut für Erwachsenenbildung in Bonn.