OECDArbeitsmarktintegration von MigrantInnen und deren Kinder in Österreich

ZEBRA Thomas Liebig, Referent in der Abteilung für Internationale Migration in der OECD Paris und Autor des aktuellen OECD-Länderberichts, präsentierte die zentralen Ergebnisse für Österreich und diskutierte im Anschluss mit Karl-Heinz Snobe vom Arbeitsmarktservice Steiermark und Landesrätin Bettina Vollath über die steirische Integrations- und Arbeitsmarktpolitik.

Begrüßung durch Alexandra Köck, ZEBRA

Im vollen Saal begrüßte ZEBRA-Geschäftsführerin Alexandra Köck das fachlich hochkarätig besetzte Publikum. Rund 90 Gäste hatten sich eingefunden und zeigten, dass das Thema auf unterschiedlichen Ebenen von großer Bedeutung ist und auf reges Interesse stößt. 2010/2011 untersuchte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Arbeitsmarktsituation von MigrantInnen und deren Kinder in Österreich. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die zentralen Ergebnisse des österreichischen Berichts und die daraus folgenden Empfehlungen vorgestellt sowie Vergleiche zu Erkenntnissen aus anderen OECD-Staaten gezogen.

Endbericht – The labour Market Integration of Immigrants and their Children in Austria (pdf) >>

Zusammenfassung Österreich (pdf) >>

Österreich-spezifisch

Als „österreichisches Spezifikum im internationalen Vergleich“ nannte Liebig das jahrelange systematische Fernhalten von Migrantinnen und Migranten vom österreichischen Arbeitsmarkt. Vor allem für Frauen sei dies bis heute spürbar und spiegle sich in geringen Beschäftigungsquoten wider.

Die Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen ist in Österreich noch nicht zufriedenstellend gelöst und eine der zentralen Barrieren beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Betroffen sind vor allem MigrantInnen aus einkommensschwächeren Nicht-OECD-Ländern. Und: Auch Hochqualifizierte müssen häufig unter ihren Qualifikationen arbeiten. Sie haben deutlich geringere Chancen am Arbeitsmarkt als in Österreich Geborene mit derselben Qualifikation, oder anders gesagt: sie erfahren mehr Benachteiligung. Weniger als ein Drittel der Zugewanderten beantragen eine Anerkennung ihrer mitgebrachten Bildungsabschlüsse. Liebig forderte hier mehr Transparenz, in Portugal gäbe es zum Beispiel eine zentrale Clearing-Stelle für Fragen der Anerkennung, bei der mit wenig finanziellen Mitteln viel Verbesserung erreicht werden könne.

Kinder von ZuwanderInnen befinden sich überdurchschnittlich häufig am Rande des Arbeitsmarkts. Besonders heikel ist die Situation, wenn sich Kinder und Jugendliche nicht mehr in der Schule oder in Ausbildung, aber noch nicht im Erwerbsleben befinden.

v.l.: Karl-Heinz Snobe, Thomas Liebig, Bettina VollathLiebig betonte, dass beim Zugang zum Arbeitsmarkt noch weitere Hürden bestehen als fehlende Integrationsmaßnahmen und berufsspezifische Sprachförderung. Diskriminierung tritt weit häufiger auf als gemeinhin angenommen. Das zeigen Studien aus anderen OECD-Ländern. Für Österreich fehlt eine derartige Erhebung nach wie vor. Empirisch gesichert ist hingegen, dass die Infrastruktur zur Bekämpfung von Diskrminierung in Österreich schwächer ausgebaut ist als in den meisten anderen OECD-Staaten.

Der „Steirische Weg“

Seit Oktober 2010 gibt es in der Steiermark ein eigenes Ressort für Integration-Diversität mit Landesrätin Bettina Vollath. Sie bestärkte am Podium „den steirischen Weg“, das klare Bekenntnis der Politik, gesellschaftliche Vielfalt anzuerkennen und Diskriminierung entschieden entgegen zu treten. „Der größte Skandal ist, dass Diskriminierung kein Skandal ist“, so die Landesrätin. Diskriminiertung müsse endlich offen thematisiert werden und Betroffenen ermöglicht werden, sich zu wehren. Die jüngste Einrichtung der steirischen Antidiskriminierungsstelle sei ein Schritt in diese Richtung.

AMS-Steiermark-Geschäftsführer Karl-Heinz Snobe gab zu bedenken, dass Österreich und die Steiermark immer noch als Gastarbeiterland und nicht als Zuwanderungsland wahrgenommen werden. Zwar habe sich in den letzten Jahren Grundlegendes geändert. Die arbeitsmarktpolitische Debatte drehe sich aber immer noch vorrangig nicht um Integrationsthemen, sondern um Arbeitskräftemangel, Prosperität und andere wirtschaftliche Überlegungen. Integration werde hier nur als „unterstützend“ wahrgenommen.

Insgesamt zeigte sich im internationalen Vergleich, dass in einigen Bereichen auf struktureller Ebene erheblicher Aufholbedarf besteht. Es wurde aber auch deutlich, dass in den letzten Jahren einige Fortschritte gemacht wurden.


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