Ein kleiner Rückblick auf die Fachtagung

Diversität und Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung


Barrierefreies Gästehaus © tg-graphiczone.comZiel der Fachtagung war, durch Information, Diskussionen im Diversitätskontext und internationalen Erfahrungsaustausch, die Möglichkeiten in der Erwachsenenbildung zu unterstützen, weiteren Schritt in der Professionalisierung und hin zu einer offenen und barrierefreieren Bildungslandschaft zu gehen.

Die TagungsteilnehmerInnen wurden im Bildungshaus Schloss Retzhof herzlich von Dr. Joachim Gruber, dem Direktor des Bildungshauses, begrüßt. Wer es zuvor noch nicht gewusst hat, dem war schnell klar, dass das Bildungsnetzwerk Steiermark den „Veranstaltungsort Retzhof“ nicht zufällig für die Durchführung dieser Fachtagung „Diversität und Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung“ ausgewählt hat: Das Bildungshaus ist barrierefrei ausgestaltet – vom Outdoor-Bereich mit dem Klettergarten, über das Gästehaus und die Küche, und selbstverständlich bis in die Seminarräumen und das Bildungsprogramm ist die Einladung zur Teilnahme an Weiterbildung und den Veranstaltungen an Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen gerichtet. Durch langjährige Arbeit und mit viel Expertise ist hier ein umfassend barrierfreies Bildungshaus entstanden.

Barrierefreiheit bezeichnet zum einen die entsprechende Gestaltung der baulichen Umwelt, zum anderen aber auch die Gestaltung von Informationsangeboten, Kommunikation usw. dergestalt, dass sie von allen Menschen, besonders auch von Menschen mit Beeinträchtigungen ohne Einschränkungen genutzt und wahrgenommen werden können. Im weiteren Sinn zielt das Prinzip der Barrierefreiheit darauf, dass nicht nur Menschen mit Beeinträchtigungen angesprochen werden, sondern beispielsweise auch ältere Menschen, Personen, die mit Kleinkindern unterwegs sind, MigrantInnen, … eine Erweiterung um lebensweltliche und kulturelle Aspekte also, in der die Erwachsenenbildung nicht nur Zielgruppen, sondern Individuen einer Gesellschaft der Vielfalt in den Mittelpunkt des lebensbegleitenden Lernens rückt.

Der Themenbereich Diversität und Barrierefreiheit ist dem Land Steiermark ein sehr großes und besonderes Anliegen. Und in der Steiermark wird viel getan – Mag.a Alexandra Nagl (Steirmärkische Landesregierung, A6): „Wir können wirklich auch stolz auf die Entwicklungen und Ergebnisse in der Steiermark sein! Neben vieler anderen Schwerpunktarbeit wurde in der Steiermark z.B. die „Charta des Zusammenlebens in Vielfalt“ kooperativ erstellt und sie ist breit akzeptiert und wird gelebt. Darüber hinaus ist die Steiermark immer noch das einziges Bundesland in Österreich, das einen konkreten Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention vorgelegt hat. Unterlegt ist dieser Aktionsplan mit Schwerpunktbereichen und einer Vielzahl an konkreten Maßnahmen. Aktuell befindet sich der Aktionsplan bereits in der 2. Umsetzungsphase und an den Vorbereitung zur 3. Umsetzungsphase (-2020) wird schon intensiv gearbeitet.“

Mag.a Nagl freut sich, dass im Schwerpunktbereich Erwachsenenbildung und Barrierefreiheit in der Steiermark auch über das Bildungsnetzwerk Steiermark bereits viele Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden konnten. So wurden z.B. eine umfassende Analyse in den Bildungsorgaisationen, daraus abgeleitete Sensibilisierungsarbeit, ein Lehrgang zu Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung, Weiterbildungsangebote und zahlreiche Fachveranstaltungen über den Aktionsplan ermöglicht.

Eine der Maßnahmen – eine modulare Weiterbildung zu Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung – befindet sich gerade in Umsetzung. 4 engagierte TeilnehmerInnen an der Weiterbildung, die 2016 durch das Bildungsnetzwerk Steiermark angeboten wurde, gewährten einen kleinen Einblick in ihre Abschlussarbeiten. Allen Arbeiten gemeinsam ist, dass sie sich bereits mit konkreten Umsetzungsmaßnahmen in der Erwachsenenbildung und den Bildungsorganisationen auseinandersetzen:

  • Hannes Ortner, Lesezentrum Steiermark, testet in Kooperation mit dem Odilieninstitut Steiermark zur Zeit die neue Online- Leihe digitaler Medien „digibib“ der Bibliotheken auf ihre Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte KundInnen. DigiBib Steiermark bietet aktuell über 20.000 E-Books, 3.500 E-Audios (Hörbücher), 650 E-Videos und – 24 E-Papers (Zeitungs- und Zeitschriftenabos). Zwar gelten digitale Angebote wie E-books und E-Zeitschriften geradezu als Paradebeispiele für die Möglichkeit, Informationen, Literatur und Inhalte barrierefrei – und auch für blinde Menschen über Screen-Reader und Sprachausgabe zugänglich – anzubieten, aber wie barrierefrei sind diese Angebote in der Praxis denn tatsächlich? Wir sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse der Analyse! (PPP Ortner >> )
  • Marie-Christine Weingant, Studierende der Pädagogik in Graz und Praktikantin im Bildungsnetzwerk Steiermark, beschäftigte sich mit der Vision einer idealen, barrierefreien Informationsstelle für Weiterbildung. Darüber hinaus durchforstet sie die Informationsfolder der Bildungsberatung Steiermark auf Verbesserungspotential hinsichtlich ihrer barrierefreien Lesbarkeit. Das Ergebnis soll Ansatzpunkte für konkrete Entwicklungsschritte bieten. Wir wünschen viel Erfolg bei der Recherche und natürlich der weiterführenden Umsetzung!
  • Michaela Schitter entwickelt und erprobt Inklusive Angebote in der Lebenshilfe Steiermark. Besonders interessant: Da es besonders schwierig ist, Menschen mit und Menschen ohne Behinderung gleichermaßen mit Angeboten anzusprechen und zur gemeinsamen Teilnahme zu motivieren, wurden nun neue Wege in der Erreichung der Zielgruppen erfolgreich ausprobiert. Wir sind gespannt auf die zusammenfassenden Ergebnisse und freuen uns darauf, von den guten Praxisbeispielen zu lesen und zu lernen! (PPP Schitter >> )
  • Und Sonja Hutter, Gleichstellungsbeauftragte im LFI Steiermark, beeindruckte mit Einblicken in ein neu erarbeitetes Konzept zu Implementierung des Themenkomplexes Barrierefreiheit in die Gesamtorganisation (Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement). Gratulation – und selbstverständlich wünschen wir viel Erfolg bei der Umsetzung!

Dr. Karl-Ernst Ackermann (Humboldt-Universität zu Berlin) erinnerte in einem hervorragenden Vortrag eindringlich, bei allen Bemühungen um Barrierefreiheit und Inklusion in der Erwachsenenbildung, nicht zu vergessen, dass es bei inklusivem Lernen in erster Linie um Menschen geht: Menschen, die an Bildung teilnehmen und Menschen, die Bildung anbieten. Sein Fazit: Auch in Deutschland wurde der Stein der Weisen noch nicht gefunden, aber es wird ausgesprochen kreativ, intensiv und mit viel Engagement an und in Inklusionsprojekten gearbeitet. Für Rückfragen und nähere Informationen zu den Projekten, die vorgestellt wurden, steht Dr. Ackermann gerne zur Verfügung. Dieses Angebot wollen und werden wir gerne nutzen: Wir hoffen in Zukunft auf intensiven Austausch mit den Inklusionsprojekten, die sich aktuell in Umsetzung befinden. Es ist uns ein besonderes Anliegen, von Beispielen die good practice zeigen zu lernen, aber auch von Fehlläufen und missglückten Versuchen zu erfahren und sich darüber auszutauschen.

Viel Humor brachte Christian Stalzer (Universität Graz) ein, der nach einer kurzen Grundinformation zu Österreichischen Gebärdensprache – eine anerkannte Minderheitensprache in Österreich – alle TeilnehmerInnen mit Poesie in Gebärdensprache verzauberte. Den Ball Humor und Poesie  nahm Diversitätsfachfrau Edith Zitz in ihrem Input zu Diversität im öffentlichen Raum und der Erwachsenenbildung gleich direkt auf und plädierte, neben dem wieder verstärkten Blick auf die Menschen – BildungskundInnen, wie auch Bildungsanbieter –  für mehr Poesie in der Erwachsenenbildungsarbeit. Dass in vielen Bereichen Humor und Engagement zwar vieles bewirken, alleine aber nicht ausreichen können,  um Inklusion in der Erwachsenbildung realisieren zu können,  sondern Unterstützungsleistungen durch die öffentliche Hand notwendig sind, darf nicht vergessen werden.

Die Fachtagung bot die Möglichkeit kurz inne zu halten und sich auszutauschen, zu reflektieren, Wissen zu vertiefen, sowie eventuell Impulse und Ideen für die Umstzung erweiterter, barrierfreie Zugänge zu entwickeln und mögliche Entwicklungsfelder auszuloten. Das Projekt „Barrierefreie Erwachsenenbildung“, in dessen Rahmen die Fachtagung stattfinden konnte, endet mit Dezember 2016. Das Projektende bedeutet aber keineswegs ein Ende der Bemühungen und Initiativen zum Abbau von Barrieren in der steirischen Erwachsenenbildung, denn Inklusive Erwachsenenbildung findet ihren Ausdruck im wesentlichen Prinzip der Wertschätzung von Vielfalt und soll allen Menschen, auch Menschen mit Behinderung weitestmöglichen Zugang zum lebensbegleitenden Lernen bieten.

VIELEN DANK!

Danke an das Bildungshaus Schloss Retzhof für die Kooperation und das zur Verfügung stellen der schönen, barrierefreien Räume. Vielen Dank an das Land Steiermark, das es im Rahmen des Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Konvention, neben vielen Aktionen und Projekten für den Abbau von Barrieren, auch den Austausch im Rahmen dieser Fachtagung ermöglicht und gefördert hat.

Vielen Dank an Dr. Ackermann, der extra aus Berlin angereist ist, für den überaus interessanten Vortrag zu den aktuellen Entwicklungen in Deutschland, die inspirierenden Gespräche und die Bereitschaft zum internationalen Austausch zu Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung und die längerfristige Vernetzung.

Besonders danken wir den TeilnehmerInnen an der modularen Weiterbildung zu Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung: für ihr Engagement in der Sache, die Bemühungen in der Umsetzung von Barrierefreiheit in ihren Bildungsorganisationen und auch dafür, dass sie uns einen kleinen Einblick in ihre Abschlussarbeiten gewährt haben.

Und wir danken allen TeilnehmerInnen und Input-GeberInnen im Rahmen der Fachtagung (mit besonderem Dank an Manuela Burger (alpha nova akademie), Edith Zitz und Rosemarie Kurz)  und allen, die mit uns diskutiert haben – wir wünschen ihnen und uns allen gutes Gelingen in der weiteren Arbeit in Abbau von Barrieren und der Inklusion.

Vielen Dank der Moderatorin, Dr.in Verena Gangl, die gekonnt und mit viel Fachexpertise durch die Tagung geführt hat und den Dolmetscherinnen für Österreichische Gebärdensprache, die es ermöglichten, dass auch gehörlose Interessierte an der Veranstaltung teilnehmen konnten.

Unterlagen zur Veranstaltung:

Für alle Rückfragenbn logo - NL Dezember barrierefrei

zur Veranstaltung, zum Projekt „Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung“ oder für Fragen zu Barrierefreiheit im EB-Kontext können Sie sich immer gerne an uns wenden:

Bildungsnetzwerk Steiermark

Claudia Zülsdorff | claudia.zuelsdorff@eb-stmk.at | +43 (0)316 821373-21