buch - NL Dezember LiteraturtippLiteraturtipp:

Autorengruppe Bildungsberichterststattung: Bildung in Deutschland 2014.

Ein indikatorengestützer Bericht mit einer Analyse zur Bildung von Menschen mit Behinderung.


„Bildung in Deutschland“ erscheint alle zwei Jahre als Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens – von der frühkindlichen Bildung über die allgemeinbildende Schule und non-formale Lernwelten, die berufliche Ausbildung und Hochschulbildung bis hin zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Mit „Bildung in Deutschland 2014“ wird zum fünften Mal ein indikatorengestützter Bericht des deutschen Bildungswesens vorgelegt.

Hier einige Ergebnisse aus dem Bereich Erwachsenenbildung:

In Deutschland sind erstmals seit einigen Jahren wieder steigende Zahlen der Teilnahmen in der Erwachsenenbildung zu verzeichnen. Hierbei liegen allerdings die Teilnahmen sehr junger Erwachsener und der älteren Menschen noch zurück.

Problematisch: Niedrigqualifizierte nehmen immer noch sehr wenig an Erwachsenenbildung, auch betrieblicher Weiterbildung, teil. Auch Menschen mit Migrationshintergrund haben es im deutschen Bildungswesen immer noch schwer: Ein Drittel der jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund verfügt über keinen beruflichen Abschluss. Stark entwickelt hat sich zwar der Bereich der Deutschkurse, dennoch ist die wesentlich geringere Teilnahme an Weiterbildung von Menschen mit Migrationshintergrund auffällig.

Der Bildungsbericht 2014 führt die Berichterstattung mit bereits in den vorherigen Berichten eingeführten Indikatoren zum deutschen Bildungswesen fort, präsentiert aber auch neue. So wird unter Einbeziehung der PIAAC Studie (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) erstmals versucht abzubilden, wie die Teilnahme an Weiterbildung mit einer tatsächlichen Steigerung von Kompetenzen in Verbindung gebracht werden kann. In allen bei PIAAC untersuchten Kompetenzdimensionen weisen die in den letzten zwölf Monaten weiterbildungsaktiven Erwachsenen deutlich höhere Kompetenzwerte auf als die nicht aktiven.

Die Annahme, dass es einen Zusammenhang zwischen Arbeitsstruktur und Kompetenzentwicklung gibt, wurde bestätigt: In der Arbeitswelt wirkt der Grad kommunikativer Aktivitäten in der Arbeitswelt am stärksten auf das Kompetenzniveau und jene Menschen, die häufig an informellem Lernen am Arbeitsplatz teilhaben, weisen sowohl bei der Lese- als auch der Mathematikkompetenz höhere Werte auf.

Auch neu: Im Rahmen einer vertiefenden Analyse im Bildungsbericht wird der Situation von Menschen mit Behinderungen im deutschen Bildungssystem nachgegangen.

Die Forderung der Inklusion trifft – vergleichbar mit Österreich – auf ein historisch gewachsenes Bildungssystem, das dem Grundsatz der Förderung von Menschen mit Behinderungen noch in institutioneller Differenzierung Rechnung trägt. Derart ist eine Vielzahl von organisatorischen und fachlichen Spezialisierungen entstanden. Unterstützungssysteme außerhalb des Bildungsbereichs, insbesondere jene des Sozialsystems, treten mit ihrem jeweiligen Ansatz neben jene des Bildungssystems.

Eindeutig erkennbar ist, dass sich aktuell noch mit jeder Bildungsstufe der Anteil der gemeinsam betreuten und unterrichteten Kinder bzw. Jugendlichen verringert: Werden im Bereich der Kindertagesbetreuung zwei Drittel der Kinder mit Behinderungen gemeinsam mit Kindern ohne Behinderungen betreut, sind es im Grundschulbereich etwa die Hälfte und im Sekundarbereich I ein Viertel. In der beruflichen Bildung stehen nur noch wenige inklusive, vollqualifizierende Ausbildungen zur Verfügung. Doch selbst mit abgeschlossener Berufsausbildung stehen Menschen mit Behinderung verhältnismäßig deutlich weniger in Beschäftigung als Menschen ohne Behinderung.

Eine Voraussetzung für die notwendigen Umgestaltungsprozesse stellt gut qualifiziertes und zum Umgang mit Diversität motiviertes Personal auf allen Ebenen des Bildungssystems dar.

BildunginDeutschland - NL Dezember Literaturtipp

Hochschulen in Deutschland haben bereits damit begonnen, sonderpädagogische bzw. inklusionsorientierte Inhalte zu verpflichtenden Studienbestandteilen zu machen. Auch innerhalb der Lehrkräfte-Fortbildung wird dem Thema der Inklusion eine verstärkte Bedeutung zugeschrieben.

Deutlich ist, dass eine zentrale Bedeutung der Weiterbildung von bereits in den Bildungsinstitutionen Beschäftigten zukommt. Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bedürfen einer gemeinsamen, systematischen Konzeptualisierung und gezielten Verzahnung. Einzelne bereits bestehende, punktuelle Fortbildungsinitiativen sind dringend in ein Gesamtkonzept der Aus-  und Weiterbildung einzubinden.

Alle Beteiligten stehen aktuell vor der Herausforderung, aus den bisherigen Strukturen heraus ein System zu entwickeln, das der Verpflichtung zur Inklusion gerecht wird.

Auch in Österreich wird regelmäßig ein Nationaler Bildungsbericht publiziert (hier der Link zum Nationalen Bildungsbericht 2012: https://www.bifie.at/buch/1914), dieser bezieht sich allerdings auf das österreichische Schul- und Erstausbildungssystem und inkludiert keine Daten aus der Erwachsenenbildung.

Statistische Daten zur Erwachsenenbildung in Österreich finden sich z. B. in der Statistik der KEBÖ: http://www.adulteducation.at/de/struktur/keboe/auswertungen/116/. Diese jährlich erscheinende Statistik schöpft ihre Daten jedoch nur aus den Mitgliedsorganisationen der KEBÖ (Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs) und bildet demnach auch nicht alle Segmente der Erwachsenenbiildung ab.

Ein vergleichender Blick auf die Statistik und Berichte aus dem Nachbarland ist demnach besonders interessant. Der Bericht „Bildung in Deutschland 2014“ richtet sich an alle Akteure des Bildungswesens in Politik, Verwaltung und Praxis genauso wie an die an bildungspolitischen Fragen interessierte Öffentlichkeit. Er ist in einer Printversion erhältlich:

Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2014. Ein indikatorengestützer Bericht mit einer Analyse zur Bildung von Menschen mit Behinderung. W. Bertelsmann Verlag 2014. ISBN 9783-7639-5417-9

Der Bildungsbericht steht aber auch kostenlos online zur Verfügung: http://www.bildungsbericht.de/.


Claudia Zülsdorff 
claudia.zuelsdorff@eb-stmk.at