Tag der Weiterbildung

Über 60 Personen kamen im Bildungshaus St. Martin zusammen, um über die Erwachsenenbildung im Spannungsfeld zwischen Zielvorgaben und Innovationsanspruch zu diskutieren. Im festlichen Rahmen der Veranstaltung überreichte Landesrat Schickhofer auch die Preise für lebensbegleitendes Lernen 2013 und die Wartinger-Medaille.


Lebensbegleitendes Lernen bedeutet im Kontext des gesellschaftlichen Wandels und der dynamischen Entwicklungen große Herausforderungen für die Erwachsenenbildung. Bildungseinrichtungen folgen den drängenden Ansprüchen, wirtschaftlich verwertbare, maßgeschneidert nutzbringende und möglichst kostengünstige Angebote zu realisieren.

Dabei wird die Bedeutung von Angeboten für die persönliche Orientierung und Lebensgestaltung oft unterschätzt. Bestimmte Themen, etwa in der politischen Bildung, die sich der schnellen Verwertbarkeit entziehen, werden immer weniger. Für Weiterentwicklungen, Kreativität und Experiment bleibt wenig Raum. Wie viel an Innovation und Kreativität ist aber tatsächlich nötig, damit im dynamischen gesellschaftlichen Wandel Erwachsenenbildung noch unterstützend und gestaltend wirken kann? Diese Frage wurde im Rahmen des Tages der Weiterbildung diskutiert.

Durch die Veranstaltung führte Dr. Hannes Galter, Geschäftsführer der Urania Steiermark und Stvtr. Vorstandsvorsitzender des Bildungsnetzwerkes Steiermark. Nach einem Kurzreferat und Einstieg in die Themaktik freute sich Dr. Galter Prof.in Dr.in Ada Pellert vorstellen und aufs Podium bitten zu dürfen:

Bildungseinrichtungen – Lernende Organisationen im Spannungsfeld zwischen Zielvorgaben und Innovationsansprüchen 

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Prof.in Dr.in Ada Pellert ist Präsidentin der Deutschen Universität für Weiterbildung und Professorin für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement. Sie hat ihr Amt als Gründungspräsidentin der DUW 2009 angetreten. Sie ist zugleich Dekanin des Departments für „Wirtschaft und Management“.

Nach einer grundsätzlichen Klärung der Begrifflichkeiten und Beschreibung des Ist-Standes der Rahmenbedingungen, innerhalb derer Erwachsenenbildung zum aktuelle Zeitpunkt arbeitet, beschrieb Pellert die Herausforderungen, denen sich Politik, Organisationen und Individuen im sich wandelnden gesellschaftlichen Kontext zu stellen haben. Lebensbegleitendes Lernen steht nicht für sich allein, es ist kooperativ in in alle Entwicklungsprozesse integriert bzw. zu integrieren.

Als Ansatzpunkte zu einer Reduktion der Spannung zwischen den Zielvorgaben und Innovationsansprüchen in der Erwachsenenbildung empfiehlt Pellert ein Arbeiten mit und im aktuell gegebenen politischen Feld, in dem die Innovationsaufgaben der Erwachsenenbildung offensiv vertreten werden sollen. Die neuen Steuerungsformen und Monitoringsysteme können hierbei aktiv – sowohl von der Erwachsenenbildung, als auch der Politik – für eine evidenzbasierte Weiterentwicklung genutzt werden.

Die Präsentationsunterlagen zu Dr.in Pellerts Vortrag finden Sie hier >>

Braucht Erwachsenenbildung noch Innovation und Kreativität?

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Im Anschluss an ihren großartigen Vortrag diskutierte Dr.in Pellert mit Dr. Galter – unter reger Beteiligung des Publikums – über die notwendige Innovation und Kreativität in der Erwachsenenbildung.

Unter vielen anderen Punkten wurde auf ökonomische oder strukturelle Hemmnisse und politische Zuständigkeiten eingegangen, die Arbeit mit speziellen Zielgruppen diskutiert und aktuelle Trends – wie etwa der Trend und das Potential des Teilens in den neuen Medien – angesprochen. Besonders kritisch wird die künstliche Trennung von beruflicher und allgemeiner Weiterbildung gesehen.

Als wesentlichster Faktor für das Gelingen einer positiven Entwicklung und Prozessgestaltung in der Erwachsenenbildung wurde ein Klima der Offenheit, der Kreativität und Kooperation hervorgehoben.

Landesrat Michael Schickhofer verleiht die Preise für Lebensbegleitendes Lernen des Landes Steiermark 

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„Die beiden Preisträger fördern und ermöglichen die Teilnahme an Weiterbildung mit neuen Ideen und Innovationen für Themen, Bereiche und Zielgruppen mit speziellen Bedürfnissen und Erfordernissen. Damit wird den ethischen Leitlinien, wie das Recht auf Bildung in allen Lebenslagen und Lebensphasen ebenso entsprochen, wie den strategischen Leitlinien in Form von Durchlässigkeit und Chancengleichheit. Zudem stehen sie für Qualität, Kontinuität und Professionalität, sind breit vernetzt und strahlen überregional aus.“ Mit diesen Worten zur Begründung der Vergabe leitete Dr.in Silvia Renhart die Preiseverleihung für Lebensbegleitendes Lernen des Landes Steiermark ein.

Der Förderpreis für Lebensbegleitendes Lernen des Landes Steiemark geht an die Stadtbücherei Mürzzuschlag  

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Die Stadtbücherei wurde 1920 gegründet und wird seit der Zusammenlegung der Bezirke Bruck und Mürzzuschlag gemeinsam mit der Bücherei Kapfenberg verwaltet. Da die Region u.a. unter der demografischen Entwicklung leidet, war es für die Stadtbücherei notwendig, sich weiterzuentwickeln. So stellte man fest, dass trotz des breitflächig angenommenen Ansatzes zum Lebenslangen Lernen doch noch Bereiche gibt, wo es gilt, Barrieren abzubauen bzw. den Zugang zu erleichtern. Bauliche Barrieren waren relativ rasch beseitigt, aber die Zugangserleichterung von Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Bildungsstandards brauchen eine stetige Betreuung. Im Sinne von „Gemeinsam sind wir stark“ vernetzte sich die Stadtbücherei Mürzzuschlag mit verschiedenen Institutionen wie der Lebenshilfe, den SeniorInnen, dem Sozialhilfeverband, der Kages Steiermark, der Volkshilfe, dem Eltern-Kind-Zentrum und dem Bezirksschulrat.

So ist der Grundgedanke der Kooperation mit der Lebenshilfe, Menschen mit geistiger Behinderung den Umgang mit Büchern, Hörbüchern und Spielen näher zu bringen. Leseanimation, Leseförderung und Leseerziehung erfolgen dazu auf sehr niederschwelligem Niveau. Im Gegenzug dazu finden in der Bibliothek jährlich eine Weihnachts- und Osterausstellung der Lebenshilfe sowie Ausstellungen der Plattform KünstlerInnen mit Behinderung statt. Insgesamt erfolgt so auch eine (über-) regionale Senibilisierung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen und deren Talenten.

Da eine der beiden hauptamtlichen Bibliothekarinnen auch geprüfte E.U.L.E. Trainerin ist, war es naheliegend, Gedächtnistraining für ältere KundInnen anzubieten und so in der Gesundheitsvorsorge aktiv mitzuwirken. Dies erfolgt auch über das Projekt „Bücherwurm“, in dessen Rahmen entsprechende Medienpakete für BewohnerInnen von Pflegeheimen, für Langzeit pflegebedürftige Menschen in Krankenhäusern und in Einrichtungen für betreutes Wohnen sowie auch für Kleinkinder und Schulkinder zur Verfügung gestellt werden.

Nähere Informationen zur Stadtbücherei Mürzzuschlag finden Sie unter:
www.muerzzuschlag.bvoe.at

Der Anerkennungspreis für Lebensbegleitendes Lernen des Landes Steiermark geht an das Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark.

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Der Verein Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark wurde 2001 gegründet und ist eine überparteiliche, gemeinnützige, kulturelle und auf das Gemeinwohl ausgerichtete, zertifizierte Umweltbildungseinrichtung. Das Zentrum führt im Auftrag öffentlicher Stellen Umweltbildungsprojekte durch und beschäftigt derzeit 15 Personen.

Die Bewusstseinsbildung ist das Hauptziel und die Kernaufgabe der Arbeit. So wurde die Mülltrennung vom UBZ aus über die Schulen und die SchülerInnen als MultiplikatorInnen auf die elterlichen Haushalte und auch Gemeinden erfolgreich initiiert. Künftig werden neben Umweltthemen auch Themen zu Energie und Gesundheit verstärkt. Weiters wird die Zertifizierung von Schulen im Rahmen der Projekte ÖKOLOG und Österreichisches Umweltzeichen auf dem Weg zu Umweltschulen unterstützt.

So werden künftig noch weitere Kooperationen im Bildungs- und Umweltinformationsbereich ausgebaut sowie auf den Lehrlingsbereich ausgeweitet. Das UBZ ist besonders in Form von Veranstaltungen, Unterschriftenlisten, Petionen, Diskussionen, Aktionen usw. bemüht, mehr als reine Wissensvermittlung zu betreiben.

Dies geschieht im Rahmen von Projekttagen in Schulen und Seminaren für Lehrende aber auch mit Workshops zur Jugendbeteiligung wie beim Thema Mobilität. Eine Besonderheit ist das Projekt „Umwelt-Peers“, bei dem SchülerInnen durch das UBZ zu UmweltexpertInnen an ihren Schulen ausgebildet werden und danach interessierte Klasssen selbständig einschulen.

Das langfristig gesetzte Ziel der Hebung des Umweltbewusstseins der Bevölkerung durch kontinuierliche Informationen und Wissensvermittlung wurde ebenso wie die konsequente Tätigkeit in diesem speziellen Bildungsbereich sehr positiv bewertet. Zudem wird damit der zentralen Leitlinie der Lebenslangen Lernen Strategie entsprochen ebenso wie dem Ziel des Verbindens von Lernen und Handeln.

Nähere Informationen zum Umweltbildungszentrum finden Sie unter: www.ubz-stmk.at

Verleihung der Wartinger-Medaille

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Joseph Wartinger (1773-1861), Archivar Erzherzog Johanns, stiftete 1815 eine Medaille, die alljährlich die besten Kenner unter den SchülerInnen der steirischen Geschichte bekommen sollten. Nach 1945 übernahm der Historische Verein die Wiedereinführung dieser Auszeichnung und seit 1974 wird Landeskunde nicht nur für SchülerInnen, sondern auch für Erwachsene und als LehrerInnenfortbildung angeboten.

KursleiterInnen waren 2013: Prof. Dr. Günther Jontes, OStR Dr. Josef Hasitschka, MMag. Martin Parth, Prof. Dr. Ernst Lassnig. Nach Abschluss des Kurses können die TeilnehmerInnen durch Ablegung einer Prüfung die Wartinger-Medaille erwerben.

Landesrat Mag. Michael Schickhofer überreicht die Wartinger-Medaille an die PreisträgerInnen: 

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Dr. Werner Mitterer
Dr. Manfred Hold
Dr. Heinz Lehofer
Ingo Wundrak
OSchR Walter Zach
Prof. Dr. Ernst Lassnig
Brigitte Müller
Ing. Werner Schroll
Beatrix Prinz
DI Volkmar Flöß
Karl Krump
Hans Gassner
Karl Pusterhofer
Simon Pichlmayer

Wir gratulieren herzlich zur Verleihung der Wartinger-Medaille!

Unser großer Dank gilt dem Bildungshaus Schloss St. Martin

Das Bildungshaus St. Martin bietet mit seinen modern ausgestatteten Seminarräumen und dem wunderbaren Ambiente einen offenen und stimmigen Raum für Bildung, Kreativität und Begegnung. Wir danken der Direktorin Dipl. Päd.in Anna Thaller und den MitarbeiterInnen im Bildungshaus Schloss St. Martin für die gute Kooperation im Rahmen des Tages der Weiterbildung 2013!


Der Tag der Weiterbildung 2013 war eine Kooperation von

Bildungsnetzwerk Steiermark, Land Steiermark und dem Bildungshaus Schloss St. Martin.
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Für nähere Informationen zum Tag der Weiterbildung

und zur Erwachsenenbildung in der Steiermark:

Bildungsnetzwerk Steiermark

bildungsnetzwerk@eb-stmk.at

Tel.: 0316 821373