zellmann 01 - NL Dezember TagderWBTag der Weiterbildung 2010
Bildung gestaltet Zukunft – JETZT.

Zukunftsarbeit in der Erwachsenenbildung

mariatrost - NL Dezember TagderWB Das Bildungsnetzwerk Steiermak lud in Kooperation mit dem Land Steiermark zum Tag der Weiterbildung 2010. Zahlreiche VertreterInnen steirischer Bildungseinrichtungen und an Bildung und Weiterbildung interessierte Personen sind dieser Einladung zur Zukunftsarbeit ins Bildungshaus Mariatrost gefolgt. 

Der Hauptreferent des Tages, Prof. Peter Zellmann (Institut für Freizeit- und Tourismusforschung, Schwerpunkte u. a. Lebensstil- und Zukunftsforschung), misst in seinem neuen Buch „Die Zukunft der Arbeit – viele werden etwas anderes tun“ der Bildung einen sehr hohen Wert der Zukunftsgestaltung bei: Bildung gestaltet Zukunft – und zwar jetzt.  

Der gesellschaftliche Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft, die Verschmelzung von Arbeit und Freizeit – die gestiegenen Anforderungen an jedes Individuum in unserer Informationsgesellschaft bedeuten eine große Herausforderung an die Erwachsenenbildung.  Wo in diesem Zusammenhang die essenziellen Punkte liegen, die es in der Erwachsenenbildung gilt zu überarbeiten bzw. weiterzuentwickeln, darauf ist Zellmann in seinem Vortrag eingegangen.  

 „Wir befinden uns in einem Zeitalter des Umbruchs. Ein Paradigmenwechsel der Werte und Wertigkeit findet eben statt“, weiß Zellmann. Bisher wenig beachtete Werte werden stark aufholen (weiblich/männlich, Ökologie/Ökonomie, Ratio/Emotio, Spaß/Leistung, Arbeit/Freizeit, …). Wir bewegen uns von einer Lebenserhaltung zur Lebensgestaltung, von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, von der Berufsplanung hin zu einer ganzheitlichen Lebensplanung – und als Motor des Tätigseins werden Freude, Sinn und Leistung zählen. Grundsätzliche Bereiche der Erwachsenenbildung, die der Paradigmenwechsel zum einen mit sich bringt, diesen zum anderen fördert, sind: eine Öffnung der Institutionen, das Aufbrechen starrer Zielgruppendefinitionen, verstärkte KundInnenorientierung und in allen Bereichen die Persönlichkeitsbildung.

„Man darf Bildung in Zukunft nicht so eng sehen“, meint Peter Zellmann im Anschluss an seinen mitreißenden Vortrag. „In Zukunft sind ExpertInnen auf einem Wissensgebiet nicht mehr das Um und Auf. Persönlichkeitsentwicklung, Anpassungsfähigkeit und Medienkompetenz sind die Schlüsselwörter der Zukunft.“  

Der Tag der Weiterbildung 2010 war ganz der intensiven Diskussion zu diesen Herausforderungen an die Erwachsenenbildung gewidmet. Es wurde damit begonnen, Lösungsansätze aus Zellmanns Zukunftsthesen herauszufiltern, und es bot sich die Gelegenheit, sie zu der Sicht und den Vorhaben des Landes Steiermark in Bezug zu stellen. 

Welche Schlussfolgerungen und Herausforderungen lassen sich aus Zellmanns Thesen für die Erwachsenenbildung ableiten?  

Gerade in der Zeit des Umbruches und der dynamischen Veränderungen gilt grundsätzlich, dass alle in pädagogischen Feldern tätigen Personen permanent die gesellschaftlichen Entwicklungen im Auge haben und entsprechend der aktuellen Situation handeln. Ausgehend von den Thesen zur Entwicklung unserer Gesellschaft, wurden folgende drei Schwerpunktbereiche in Bezug auf notwendige Entwicklungsarbeit in der Erwachsenenbildung hin bearbeitet und diskutiert:  

Die Wochenarbeitszeit sinkt, aber die Lebensarbeitszeit nimmt zu. Eine Folge dieser Entwicklung ist, dass die Bedeutung von Ehrenamt und Lernen im Alter wesentlich zunehmen wird. 

Bereits heute arbeitet – etwa in öffentlichen Bibliotheken – ein sehr hoher Prozentsatz an Menschen im Ehrenamt, also „unentgeltlich, freiwillig und zum Wohle Dritter“.  Was Peter Zellmann prognostiziert, ist bereits gut erkennbar: Immer mehr Personen „im Ruhestand“ oder in Teilzeitbeschäftigungen beginnen, sich für ehrenamtliche Tätigkeiten zu interessieren, und möchten sich für diese selbst gewählten Aufgaben auch adäquat (weiter-)qualifizieren.

Verstärkte Nachfrage in der Bildungsberatung zum Thema Qualifizierung und Ehrenamt bestätigen diesen „Trend“. Generationenübergreifende, gemeinsame Arbeit – ein prinzipiell sehr positiver Blick in die Zukunft. Dennoch: Die öffentliche Hand darf sich keinesfalls durch diese tendenziell stärkere Bereitschaft zum Ehrenamt aus ihrer Verantwortung nehmen. Als Ergebnis kann nicht gelten, dass ganze Dienstleistungsbereiche (Bibliotheken, Bildungseinrichtungen, Feuerwehr, Rettung, …) aus finanziellen Nöten auf ehrenamtliches Stammpersonal angewiesen sind.  

Um die verstärkte Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit sinnvoll und für alle Beteiligten befriedigend zu gestalten, sind neue Professionalisierungskonzepte erforderlich. Hier gilt es sowohl für Bildungseinrichtungen als auch die öffentliche Hand, neue Qualifizierungskonzepte zu entwickeln, die das Ehrenamt und im Ehrenamt Tätige stärken – denn ehrenamtlich Tätige sind keineswegs Aushilfskräfte, sondern großteils hochqualifizierte und in jedem Fall besonders motivierte MitarbeiterInnen. „Einstiegs- und Wiedereinstiegsszenarien“ sowie „sanfte Ausstiegsszenarien“ in die und aus der Ehrenamtlichkeit sind innerhalb der Institutionen zu entwickeln. 

Als zusätzliche Motivation und Chance kann in diesen Bereichen der Erwachsenenbildung eventuell wirken, dass 2011 das „EU-Jahr des Ehrenamtes“ sein wird.  

Systeme der Erwachsenenbildung befinden sich permanent zwischen Reaktion auf aktuelle Notwendigkeiten und aktiver Zukunftsarbeit. 

tagderwb g - NL Dezember TagderWB Es besteht Konsens darüber, dass sich die Gesellschaft in einer Umbruchs- und Orientierungsphase befindet. Gerade in dieser Phase ist der Faktor Zeit ein wesentlicher – und Organisationen tun gut daran, sich selbst Zeit zur eigenen Orientierung einzuräumen. Als in der Erwachsenenbildung besonders drängende und aktiv gestalterische Bereiche auf der Systemebene wurden die beiden folgenden Entwicklungsfelder diskutiert: 

  • der Wandel von einer Erwachsenenbildungslandschaft zu einem Weiterbildungssystem

Initiativen, die das Weiterbildungssystem als solches stärken sind dringend notwendig. In der Weiterbildungslandschaft, die sich durch Vielfalt und Inhomogenität auszeichnet, sind dennoch gerade hier die Gemeinsamkeiten zu suchen, die als feste Ankerpunkte für dringend geforderte Koordination, Kooperation und Vernetzung dienen. Vernetzung und institutionsübergreifende Kommunikation sind als spezielle Leistung – auch innerhalb der Organisationen – zu etablieren.

  • die Modernisierung der Organisationen

Wesentliche Bildungsthemen sind auf Grundlage der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung und der pädagogischen Profession neu zu erproben und anzubieten. Aktuell ist etwa Persönlichkeitsbildung als Schwerpunkt in allen Bereichen der Weiterbildung – auch der beruflichen – zu etablieren, was bereits heute nach neuer Kurs- und Angebotskonzeption verlangt. Aktuelle Themen sind permanent durch systematisierte Kommunikation aus dem Umfeld zu generieren.  

„Von der Berufsplanung zur Lebensplanung“ heißt ein weiteres Kapitel in Zellmanns Buch. Die traditionelle Trennung von beruflicher Bildung und allgemeiner Erwachsenenbildung verschwimmt immer mehr. 

tagderwb c - NL Dezember TagderWB Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden zunehmend verschwimmen – Inhalt und Themen der „beruflichen Erwachsenenbildung“ befinden sich auch hier im Wandel – insbesondere die Forderung nach Persönlichkeitsbildung und -entwicklung kann und darf in der beruflichen Weiterbildung nicht mehr ignoriert werden.

Und noch etwas gibt Peter Zellmann uns mit auf den Weg: „Die Zukunft ist weiblich.“ Verpflichtendes Gender-Budgeting und die Entwicklung einer offenen Haltung mit realistischem Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Situation werden eingefordert. 

 

Verleihung:

Preis des Landes Steiermark für Lebensbegleitendes Lernen 2010  

Bereits traditionell wird dieser Preis des Landes Steiermark im Rahmen des Tages der Weiterbildung, der in Kooperation des Landes Steiermark mit dem Bildungsnetzwerk Steiermark veranstaltet wird, verliehen. Die Preise dienen der Förderung neuer Formen und attraktiver Umsetzungen im Bereich der allgemeinen, berufsorientierten, sozialen und politischen Erwachsenenbildung sowie des Bibliothekswesens.  

Als förderungswürdig gelten hier: Modelle, Konzepte, Angebote und praxisorientierte Tätigkeiten, die im Sinne einer ständigen Weiterbildung die Aneignung von Kenntnissen und Fertigkeiten, die Ausbildung der Fähigkeit und Bereitschaft zu verantwortungsbewusstem Urteilen und Handeln sowie die Entfaltung der persönlichen Anlagen zum Ziel haben.  Ein weiterer Schwerpunkt sind wissenschaftliche Untersuchungen und theoretische Darstellungen, die einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Erwachsenen- und Weiterbildung leisten.

Ebenso wichtig ist es aber auch, die Entwicklung von Spontaneität für Erneuerungen und neue, kreative Lösungsvorschläge für gesellschaftliche Probleme zu honorieren, die den Erfordernissen von Vergleichbarkeit, Flexibilität, Gerechtigkeit und unbürokratischer Umsetzung entsprechen.  Dr. Wilhelm Filla, der im Namen der gesamten Jury sprach, freute sich nicht nur über die Vielzahl der Einreichungen zum Preis, er lobte auch die hohe Qualität der eingereichten Projekte und Arbeiten.

Der Anerkennungspreis 2010 geht an Dr.in Andrea Felbinger für ihre ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeit „Entwurf eines Modells einer kohärenzorientierten Lernkultur für die Erwachsenenbildung.“ Ihre Arbeit ist eben auch in Buchform erschienen. 

Der Förderungspreis 2010 geht an die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus und die Caritas Steiermark für das Kooperationsprojekt „Elternbildung in den Caritas-Lerncafes im Rahmen des Integrationsprojektes Wir sind Graz“. Foto (v.l.): Mag.a Bettina Ramp , Mag.a Silke Strasser, Christian Ehetreiber (für das Projekt), LAbg. Hannes Schwarz (Land Steiermark)Dr. Wilhelm Filla (VÖV, für die Jury), Dr.in Andrea Felbinger, Mag.a Grete Dorner (Bildungsnetzwerk Steiermark)  

Wir gratulieren den PreisträgerInnen herzlich!

Und wir danken dem Bildungshaus Mariatrost, das durch die großzügige Gastfreundschaft dem Tag dem Weiterbildung 2010 einen würdigen Rahmen gegeben hat.

 

 


Wir freuen uns über Feedback und stehen für Rückfragen zur Veranstaltung, den diskutierten Themen oder dem Bildungsnetzwerk Steiermark sehr gerne zur Verfügung! 

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