barrfr - NL November FachtagungEin Rückblick zur Fachtagung

„Barrierefreie Erwachsenenbildung“

Barrierefreiheit ist

für 10 % der Bevölkerung unentbehrlich,
für 40 % notwendig,
für 100 % komfortabel und ein Qualitätsmerkmal.

Gleichberechtigte Bildungschancen sind einer der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. So weisen auch die UN Behindertenrechtskonvention und der Steirische Aktionsplan zu deren Umsetzung auf die Bedeutung und Dringlichkeit von Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung hin. Bildungseinrichtungen und Bibliotheken sollen selbstverständlich so gestaltet sein, dass Menschen mit Beeinträchtigung der uneingeschränkte Zugang zu Erwachsenenbildung und dem lebensbegleitenden Lernen möglich ist. Barrierefreiheit ist also keinesfalls nur Zugeständnis an eine kleine Minderheit, sondern bedeutet mehr Lebensqualität für alle.

Am 24. September kamen über 40 Personen aus 28 verschiedenen Bildungseinrichtungen im Steiermarkhof zusammen, um sich einen Tag lang intensive zu Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung auszutauschen.

Der Vormittag stand unter den Zeichen Information, Input und Austausch mit ExpertInnen, der Nachmittag bot die Möglichkeit zur inhaltlichen Vertiefung in Fachworkshops:

INFORMATION

Der Steirische Aktionsplan zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention

Foto Margarita Edler

2012 hat das Land Steiermark als erstes Bundesland einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention beschlossen. Ziel ist, die Chancengleichheit und den gleichberechtigten Zugang zu allen Lebensbereichen für Menschen mit Behinderungen in der Steiermark zu fördern.

Dr.in Margarita Edler (im Bild links), die Projektleiterin des Steirischen Aktionsplans, stellte im Rahmen der Fachtagung den Aktionsplan und einige der Maßnahmen vor.

Der steirische Aktionsplan basiert auf neun Leitlinien, wobei jede der Leitlinien mit konkreten Maßnahmen unterlegt ist. Von den 54 geplanten Maßnahmen konnten bisher 40 Maßnahmen umgesetzt werden – ein großer Erfolg!

Sie möchten mehr zum Steirischen Aktionsplan erfahren? Unter folgendem Link zur Seite des Landes Steiermark können Sie den Aktionsplan nachlesen und die Statusberichte zur Umsetzung der Maßnahmen einsehen:

Informationen Steirischer Aktionsplan >>

 

Wie barrierefrei ist die Erwachenenbildung in der Steiermark?

Eine der Maßnhamen im Aktionsplan ist auch das Projekt „Barrierefreie Erwachsenenbildung“, in dessen Rahmen die aktuelle Fachtagung stattfand. Als Grundlage für die weiterführende Arbeit im Projekt wurde eine umfassende Analyse zum ist-Stand der Barrierefreiheit in den steirischen Bildungseinrichtungen und Bibliotheken durchgeführt. Die Analyseergebnisse haben deutlich aufgezeigt: Bildungseinrichtungen und Bibliotheken in der Steiermark sind prinzipiell bereits offene Organisationen, innerhalb derer individuell kundenorientiertes Handeln und möglichst freie Zugänglichkeit wesentliche Anliegen sind – doch es gibt noch viel zu tun.

Während einzelne Einrichtungen bereits umfassend barrierefrei ausgestaltet sind, ist das Thema Barrierefreiheit für andere Organisationen noch relativ neu – und Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung geht weit über die Beseitigung baulicher Hindernisse hinaus.

Nähere Informationen zum Projekt finden Sie unter folgendem Link:

Informationen Projekt „Barrierefreie Erwachsenenbildung“ >>

AUSTAUSCH im World-Cafe

levc 3 - NL November Fachtagungkurz 3 - NL November Fachtagung

An 4 Thementischen konnten im „World-Cafe“ ExpertInnen für verschiedene Bereiche der Barrierefreiheit besucht werden.

Good practice: Ulrike Brantner (Bild unten rechts) stellte den Umgang des Katholischen Bildungswerkes mit Barrierefreiheit vor, Marlies Kleinschuster und Roswitha Edler-Dreisiebner (Bild unten links) zeigten am Beispiel der Bibliothek Straden, wie gelebte Inklusion in Bibliotheken sehr gut zu verwirklichen ist.

Mag.a Barbara Levc (Bild oben links), die Leiterin des Zentrums integriert studieren, gab Auskunft zu den Bedürfnissen von Menschen mit Sehbehinderung bzw. Blindheit im Studium und in der Weiterbildung.

Dr.in Rosemarie Kurz (Bild oben rechts), ÖH Referat für Generationen, bot wertvolle Informationen zu den Bedürfnissen alter Menschen in der Weiterbildung. Ihre wesentlichsten Tipps finden Sie unter folgendem Link zusammengefasst:

Bedürfnisse alter Menschen in der Weierbildung >>

biblio 3 - NL November Fachtagung   brantner 3 - NL November Fachtagung

FACHVORTRAG

Diversität/Barrierefreiheit und Organisationsentwicklung in Bildungseinrichtungen und Bibliotheken – Ansprüche und Möglichkeiten

Mag.a Silvia Göhring, ISOP GmbH

Foto Silvia Goehring

Kaum jemand, der noch nicht von Barrierefreiheit gehört hat. Kaum eine Bildungseinrichtung, die sich nicht mit verschiedensten Zielgruppen beschäftigt.

Vergleichstest, wie PISA oder PIAAC messen, ob internationale Bildungsstandards, international bestimmt Normen erreicht werden. Gewogen wird heute gerne und viel. Ob und wie die Partizipation Menschen mit Behinderung, von MigrantInnen und anderen Zielgruppen allerdings tatsächlich gegeben ist, bleibt unklar – „vom Wiegen wird die Sau nicht fetter.“

Normen sind festgelegt, ein Abweichen von der Norm wird als Störung empfunden, die aktuelle Gesellschaft baut auf dem Paradigma der Selbsähnlichkeit auf. Die Vielfalt in der Gesellschaft ist normal, aber auch eine Herausforderung. Es ergeben sich konkrete Anforderungen an Institutionen, die ihre Diversitätskompetenz zu erhöhen haben.

Ausgehend vom aktuellen Diversitätsdiskurs und aktuellen, gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Einfluss auf die Erwachsenenbildungslandschaft nehmen, näherte sich Göhríng an das Konzept einer „inklusiven und barrierefreien Erwachsenenbildung“. In ihrem ausgezeichneten Vortrag stellte sie methodische Schritte, erprobte Modelle und Möglichkeiten für Organisationen vor.

Göhring schließt mit Argumenten für eine konsequente Auseinandersetzung mit Barrierefreiheit:

Barrierefreiheit ist Voraussetzung für Partizipation und: Barrierefreiheit steht für Qualität, verbessert das Image, erschließt neue Zielgruppen, verbessert das Bildungsangebot, schafft Wettbewerbsvorteil, erhöht die Kompetenz der Organisation und vermeidet Diskriminierung.

Und Göhring hat einen Tipp für Bildungseinrichtungen:

Gleichstellung, Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung spielt in der ESF Förderperiode 2014-2020 eine wichtige Rolle.

Die Präsentationsunterlagen können Sie unter folgendem Link nachlesen:

Präsentationsunterlagen zum Vortrag Silvia Göhring (PDF) >>

INHALTLICHE VERTIEFUNG – Fachworkshops

Foto Moser und Wimmer

Verstehen macht Spaß! Barrierefreiheit in unserer Informationswelt

Melanie Wimmer und Marion Moser, MA (atempo BetriebsgesmbH, capito)

In dem Tandem-Workshop wurde ein praktischer Einstieg in die Barrierefreiheit der Informations- und Kommunikationswelt geboten. Was sind eigentlich Informationsbarrieren und wer braucht leicht verständliche Sprache?

Die beiden Workshopleiterinnen gaben einen guten Überblick über die wichtigsten capito Kriterien für Sprache, Layout und Medien, die die TeilnehmerInnen auch gleich selbst ausprobieren und anwenden konnten. Es zahlt sich aus, die Workshop-Unterlagen noch einmal durchzusehen – sie enthalten viele Informationen und wertvolle Tipps:

Präsenttionsunterlagen Moser/Wimmer >>


Foto Aaron Banovics

Wozu barrierefrei? Rechtsanspruch, Notwendigkeit, Nutzen

Mag. Dipl.-Päd. Aaron Banovics (Behindertenanwaltschaft Österreich)

Aaron Banovics ist Referent im Büro für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderung. Er stellte die Arbeit der Behindertenanwaltschaft vor, erklärte nationale und internationale behindertenpolitische Grundlagen und ging auf die Aktionspläne zur Umsetzung der UN Behindertenkonvention ein.

Banivics diskutierte mit den Teilnehmenden die verschiedenen Arten von Barrierefreiheit und von Diskriminierung. Als gesetzliche Grundlagen dienen das Behindertegleichstellungsgesetz und das Behinderteneinstellungsgesetz.

Er betonte, dass Barrieren Menschen an der Teilhabe an der Gesellschaft hindern. Österreich bekennt sich – auch durch die Ratifizierung der UN Behindertenrechtskonvention – zur Inklusion von Menschen mit Behinderung und damit zum Abbau von Barrieren. Im Bildungsbereich wirken Barrieren besonders stark, da vom Zugang zu Bildung und Weiterbildung viele Chancen zu sozialer Aufwärtsmobilität abhängen.

Wichtig für Bildungseinrichtungen: Das Prinzip der Barrierefreiheit soll künftig bei der Vergabe von Bundesfördermitteln verstärkt berücksichtigt werden!

Präsentationsunterlagen Banivics >>


Foto Peter Milbradt

Barrierefreie Lösungen fürs Bauen, Adaptieren und Gestalten des Arbeitsumfeldes

Mag. Peter Milbradt (easy entrance GmbH)

Gerade im baulichen Bereich herrschen die unterschiedlichsten Bilder und Vorstellungen darüber, was alles getan werden müsste. Was aber sind die Mindestkriterien? Wie kann man sich auf Barrierefreiheit vorbereiten? Was kann ich auch ohne großen finanziellen Aufwand tun? An Hand von praktischen Beispielen wurden die verschiedenen Aspekte von Barrierefreiheit dargestellt, wobei nicht ein Vortrag über Normen, sondern das Verstehen, was barrierefreie Nutzbarkeit ausmachen im Vordergrund standen.

Die Teilnehmenden lernten die Anforderungen an die barrierefreie Nutzbarkeit einer Bildungseinrichtung kennen, um derart die eigene Einrichtung hinsichtlich Barrierefreiheit einschätzen zu können.

Präsentationsunterlagen Peter Milbradt >>

Hilfreiche, informative Broschüren zu Barrierefreiheit:

Tourismus für alle (pdf) >>
Bauen für alle (pdf) >>


Foto Jette Musger

Organisationsentwicklung: Soziale Kategorien als Dimensionen von Diversität und Vielfalt

– Barrieren (nur) im Kopf?

Jette Musger, MA (Unternehmens- und Organisationsberaterin)

In diesem Workshop wurde die Theorie, die hinter den Barrieren steckt, beleuchtet und die Dimensionen von Diversität und soziale Kategorisierungsprozesse, die zu Ungleichverteilung bzw. Ungleichbehandlung in Form von Barrieren führen, vorgestellt.

Unter dem Zitat „Es gibt nichts praktischeres als eine gute Theorie“ (Kurt Lewin) bot Musger zudem einen einen historischen Abriss zu theoretischen Konzepten der Gleichstellung, zu Diversitätsmanagementstrategien und deren Möglichkeiten und Grenzen.


Unser Dank gilt

gangl 1 - NL November Fachtagungdem Steiermarkhof Graz, der uns immer wieder ein sehr schönes Ambiente für Bildungsveranstaltungen bietet.

Herzlich bedanken wir uns bei allen Expertinnen und Experten, die uns Einblicke in verschiedenste Bereiche der Barrierefreiheit ermöglicht haben und vielen Dank an die großartige Dr.in Verena Gangl (im Bild links), Lesezentrum Steiermark, die uns mit ihrer Moderation so professionell durch die Veranstaltung geführt hat.

Sie haben Fragen?

Für Rückfragen zur Fachtagung oder Fragen zu Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung können Sie sich immer gerne an uns wenden:

Bildungsnetzwerk Steiermark
Claudia Zülsdorff (claudia.zuelsdorff@eb-stmk.at)
0316 821373-21


Die Fachtagung wurde im Rahmen des Kooperationsprojekts „Barrierefreie Erwachsenenbildung“ durchgeführt.

Informationen zum Projekt >>

Die Projektpartner sind:

LOGOS - NL November Fachtagung

Finanziert wird das Projekt durch das Land Steiermark. Es ist Teil des steirischen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

land1 - NL November Fachtagung