Tipps zu interkultureller Bildung:
Konferenz:  NIC 09 – INTERKULTURELLE BILDUNG IN ÖSTERREICH. GEGENWART UND ZUKUNFT
Workshop:  KULTUR IST POLITISCH


NIC 09 – INTERKULTURELLE BILDUNG IN ÖSTERREICH. GEGENWART UND ZUKUNFT
Konferenz, 15. + 16. Oktober 2009, Hauptbücherei Wien

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„Interkulturelle Bildung“ ist ein Schlagwort, unter dem grundverschiedene, zuweilen sogar gegensätzliche Konzepte und Praktiken verstanden werden. Das Bedeutungsraster des Begriffs „interkulturell“ wurde mit seiner zunehmenden Verbreitung in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Verwaltung so weit ausgebeult, dass auch Ziele und didaktische Grundsätze interkultureller Bildungsangebote einer semantischen und funktionalen Beliebigkeit ausgesetzt sind. Folgende Fragen warten auf ihre Antwort:

Worin ist der interkulturelle Anspruch einer Didaktik begründet? Was bedeutet „interkulturell“ im Bildungszusammenhang? Wodurch unterscheidet sich interkulturelle Bildung von der nicht-interkulturellen? Durch Inhalte oder durch Methoden? Durch gesellschaftspolitische Aufgaben? Oder durch den Prozess des Lehrens und Lernens samt seinen Dominanzverhältnissen?

Interkulturelle Trainings, die fast ausschließlich an der Vorbereitung von Personen für den Auslandsdienst ausgerichtet sind; Lehrgänge, die auf Steigerung individueller interkultureller Kompetenz fokussieren; anti-rassistisch angelegte, auf Selbstermächtigung der TeilnehmerInnen abzielende Workshops; das „Unterrichtsprinzip interkulturelles Lernen“ im Schulbereich – handelt es sich bei all diesen Konzepten und Angeboten um eine Sache mit verschiedenen Anwendungsbereichen? Oder haben wir es eher mit einem „Container-Begriff“ zu tun, der – wie etwa auch der Kultur-Begriff – alles und letztendlich nichts bezeichnet? Kurzum: Wie können wir dem oft geäußerten Verdacht begegnen, „interkulturelle Bildung“ sei ein Modebegriff, das – einem Placebo gleich – vornehmlich zur beruhigenden Wirkung eingesetzt werde?

Anhand welcher Maßstäbe können bestehende Bildungskonzepte und -praktiken bewertet werden, die den Anspruch erheben, interkulturell zu sein? In was für einem Prozess können solche Maßstäbe entwickelt werden?

Die Konferenz NIC 09 – Interkulturelle Bildung in Österreich. Gegenwart und Zukunft will ein Beitrag zur Klärung dieser Fragen sein. An zwei Tagen werden die TeilnehmerInnen der Realität interkultureller Bildung – mit besonderem Fokus auf Erwachsenenbildung und universitäre Bildung in Österreich – kritisch nachspüren und die zukünftigen Chancen und Möglichkeiten in diesem Feld ausloten.

Den Auftakt macht eine Podiumsdiskussion mit Gästen, die beruflich in unterschiedlichen Zusammenhängen von Bildung und/oder Interkulturalität angesiedelt sind. Sie sollen ihre Einschätzung darüber darlegen, was interkulturelle Bildung bisher hierzulande bewirkt hat und welchen Stellenwert sie in unserer Gesellschaft einnimmt.

Am zweiten Tag sollen Vorträge von ExpertInnen im Plenum sowie in Workshops relevante Probleme, die interkulturelle Bildungsarbeit aufwirft, aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. In den Workshops werden die Fragen durch alle TeilnehmerInnen vertieft und Ergebnisse für das Plenum festgehalten.

Die Konferenz ist vor allem dem Netzwerk-Gedanken verpflichtet, der letztes Jahr im Rahmen der ersten NIC-Konferenz (NIC 08, September 2008 an der Donau-Universität Krems) der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Zeit und Ort:
15. und 16. Oktober 2009
Hauptbücherei – Am Gürtel,
Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Veranstalterin:
Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB)

Kooperation:
Donau-Universität Krems, Fachbereich Interkulturelle Studien (DUK)
Interkulturelles Zentrum (IZ)
sowie Büchereien Wien

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos. Um Anmeldung (bis 7. Oktober) wird gebeten.


KULTUR IST POLITISCH
Interkulturelle Politikdidaktik in der Erwachsenenbildung

Eine Veranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung

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Interkulturelle Orientierung ist mittlerweile fester Bestandteil schuldidaktischer Reflexion und pädagogischer Praxis. Politische Erwachsenenbildung hingegen hat Interkulturalität noch als strukturierendes Prinzip in ihr Selbstverständnis, ihre Methoden und Praxis zu integrieren.

Im landläufigen Sinn gilt politische Bildung als ein Thema, das mit Kultur nichts zu tun hat. Umgekehrt wird Kultur als ein Bereich aufgefasst, der das Politische neutralisiere: weil es unpolitisch sei (Stichwort: „Feste feiern statt Rechte fordern“) oder weil Kultur Politik ersetzt haben soll (Stichwort: „Kampf der Kulturen“). So wird etwa politische Bildungsarbeit mit ImmigrantInnen gemeinhin als ein Ausgleichen deren „Demokratie-Defizits“ und daher fälschlicherweise als „Erziehung zu unseren westlichen Werten“ verstanden.

Politische Erwachsenenbildung begreift sich nicht als „Belehrung“, sondern macht alle artikulierten Differenzen, Identitäten und Traditionen ebenso wie individuelle Erfahrungen und Biografien zum Ausgangspunkt einer kommunikativen Lernsituation. Interkulturalität kann ihrerseits durch zwei Anforderungen definiert werden: Gleichheit in Pluralität und Bereitschaft zur (selbst-)kritischen Betrachtung der eigenen Kulturalität. Kultur ist ebenso politisch, wie das Politische kulturelle Züge aufweist.

Als Beitrag zur Didaktik einer interkulturell orientierten politischen Erwachsenenbildung hat die ÖGPB ein zweitägiges Trainingsprogramm entwickelt. Es bietet erfahrungsorientierte, biografische und sensibilisierende Übungen sowie Raum für Reflexion über den politischen Aspekt der Interkulturalität an.

Thematische Eckpunkte des Workshops:

  • Kulturalität der Politik aus interkultureller Sicht
  • Politisches Handeln im eigenen soziokulturellen Umfeld
  • Kulturtechniken der Politik
  • Sensibilisierung: Macht – Identität – Demokratie
  • Menschenrechte – Minderheitenrechte
  • Politische Bildung als interkulturelles Feld
  • Interkulturalität: Methoden, Grundsätze, Ansätze
  • Moderationsmethoden; Agendagestaltung

Zielgruppe: ErwachsenenbildnerInnen, TrainerInnen, MitarbeiterInnen von NGOs

Workshopleitung:
Dr. Hakan Gürses: Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung, Philosoph, Lehrbeauftragter an der Uni Wien (Philosophie, Internationale Entwicklung) sowie an der Donau-Uni Krems (Interkulturelle Kompetenzen), Trainer und Journalist.
Mag.a Rahel Baumgartner: Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung, Sozialpädagogin, Kultur- und Sozialanthropologin, arbeitet in der Erwachsenenbildung als Trainerin und im Bereich der Entwicklung von Lernmodellen und innovativen Programmen.

Termin:
Do, 22. Oktober (10.00 bis 18.00 Uhr) und Fr, 23. Oktober 2009 (09.00 bis 17.00 Uhr)

Ort:
bifeb) – Bundesinstitut für Erwachsenenbildung
Bürglstein 1-7, 5350 Strobl

Der Workshop wird mit 1 ECTS im Rahmen der wba akkreditiert.

Anmeldung, Zimmerreservierung und weitere Informationen:
Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung
Mayerhofgasse 6/3, 1040 Wien
T.: (01) 504 68 58, F.: (01) 504 58 89
gesellschaft@politischebildung.at