lenz II - NL September Lenz Gerhard Bisovsky

Werner Lenz und sein Wirken für die Erwachsenenbildung

– eine Laudatio aus der Sicht der Erwachsenenbildung

Werner Lenz, Universitätsprofessor am Institut für Erziehungswissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz und wichtiger wissenschaftlicher Wegbegleiter der Erwachsenenbildung, emeritiert nach 28 Jahren Tätigkeit in Lehre und Forschung. Am 22. Juni versammelten sich im Wallzentrum in der Grazer Merangasse rund 100 Gäste zu einer Feier, unter ihnen die steirische Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder, der ehemalige Rektor der Universität Graz Alfred Gutschelhofer sowie zahlreiche Absolvent/innen und Kooperationspartner/innen aus dem In- und Ausland.

Gutschelhofer, Edlinger-Ploder, Lenz, Den akademischen Festvortrag hielt Christine Zeuner, Professorin für Erwachsenenbildung an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Dieser Beitrag ist die gekürzte und redigierte Fassung der Laudatio aus der Sicht der Erwachsenenbildung. 

Werner Lenz steht für eine Aufbruchs- und Reformstimmung in der Bildung, die auch die Erwachsenenbildung erfasst hat und er hat wesentlich mit dazu beigetragen, die Erwachsenenbildung als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung zu etablieren und sie näher ins Zentrum der Bildungspolitik zu bringen. Die Erwachsenenbildung zu einem Teil des Bildungssystems zu machen und sie in ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung zu unterstützen, das waren und sind die großen Themen, die Werner Lenz verfolgt und von universitärer Seite her gefördert hat.

Die Titel einiger seiner zahlreichen Bücher, die er geschrieben und/oder herausgegeben hat, sprechen eine sehr deutliche Sprache. Ich kann hier aus Zeitgründen nur einige hervorheben, wie zum Beispiel die „Grundlagen der Erwachsenenbildung“ (Stuttgart 1979), oder „Grundbegriffe der Weiterbildung“ (Stuttgart 1982), das „Lehrbuch der Erwachsenenbildung“ (Stuttgart 1987), aber auch „Bildung ohne Aufklärung?“ (Wien 1992), oder „Modernisierung der Erwachsenenbildung“ (Wien 1994) oder „Weiterbildung als Beruf“ (Wien 2005) oder „Wertvolle Bildung“ (Wien 2011) mit dem Untertitel „Kritisch – skeptisch – sozial“ und zuletzt „Bildung. Eine Streitschrift. Abschied vom lebenslänglichen Lernen“ (Wien 2012).

Wirkungen

Mit der Errichtung des Lehrstuhls für Erwachsenenbildung an der Karl Franzens-Universität Graz im Jahre 1984 wurde eine Grundlage geschaffen, die durch ihre langfristige Wirkung bestimmt ist. Zahlreiche Studierende, viele Absolventinnen und Absolventen sind es, die in weiterer Folge in der Erwachsenenbildung tätig geworden sind und in den verschiedensten Bereichen nach wie vor aktiv sind, sei es forschend, lehrend, als Programmplaner/innen, als Berater/innen, nicht wenige davon sind in leitenden Positionen tätig.

Werner Lenz hat großen Wert auf Wirkungen gelegt. Daher hat er Strukturen geschaffen. Und er hat dies strategisch gut durchdacht gemacht. Mit diesem politischen – nicht partei-politischen – Ansatz ist es ihm gelungen, die Erwachsenenbildung in der Wissenschaft gut zu verankern und zu festigen. Wie wirksam diese Strukturen waren und nach wie vor sind, lässt sich auch daran erkennen, dass in weiterer Folge an der Universität Klagenfurt eine Absolventin und Habilitierte aus Graz, Elke Gruber, auf den Lehrstuhl für Erwachsenen- und Berufsbildung berufen wurde. Oder um noch ein Beispiel zu nennen: im Bereich „Angewandten Lernweltforschung“ erfolgte mit Rudolf Egger eine Berufung eines Absolventen und Habilitierten vom Grazer Institut.

Netzwerken

Werner Lenz steht für Netzwerken und für eine ausgeprägte internationale Orientierung, davon zeugen auch seine zahlreichen Gastprofessuren an Universitäten auf vielen Kontinenten der Erde. Werner Lenz war es auch, der Österreich in den 1990er Jahren mit der damals gerade erst entstandenen „European Society for Research on the Education of Adults“ vernetzt hat. Heute besteht hier eine intensive Verbindung, Forscherinnen und Forscher aus Österreich sind in zahlreichen Netzwerken und Konferenzen von ESREA tätig. 1995 ist es mit Unterstützung der Abteilung Erwachsenenbildung im Bundesministerium für Unterricht und Kunst gelungen, die erste europäische Konferenz von ESREA in Österreich am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in Strobl durchzuführen. Mehr als 100 Personen aus allen europäischen Ländern und aus Israel nahmen aktiv an der Konferenz teil, hielten Keynotes, präsentierten ihre Papers und Forschungen bzw. fungierten als „Critical Reader“ zu den jeweiligen Präsentationen. Der Anstoß kam von Werner Lenz, seine guten Kontakte in die verschiedenen Institutionen ermöglichten die Durchführung.

Zahlreiche Kontakte zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern konnten damals geknüpft werden, viele davon sind bis heute aufrecht geblieben. Zudem ergaben sich zeitgleich mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union in der Folge viele Möglichkeiten, international an gemeinsamen Projekten zu arbeiten. Über die Projekttätigkeit ist es Werner Lenz gelungen, die Abteilung weiter auszubauen, viele Projekte waren und sind mit relevanten Fragestellungen für die Erwachsenenbildung verbunden. 

Bildung als Verschränkung von Individualität und Solidarität

Die internationale Positionierung spiegelt sich auch im Bildungsverständnis von Werner Lenz wider, das immer ein sehr offenes und breites war und – was in unserer nach wie vor sehr versäulten Bildungslandschaft bemerkenswert ist – Lenz hat sich nie ausschließlich nur auf Erwachsenenbildung konzentriert. Schule und Erwachsenenbildung waren und sind ebenso Gegenstand seiner Analysen. 

2011 wurde Werner Lenz für sein Lebenswerk mit dem Staatspreis für Erwachsenenbildung ausgezeichnet und wurde von der Jury als die zentrale Figur der universitären Erwachsenenbildung/Weiterbildung gewürdigt, die international bekannt und anerkannt sei. 

In der vor kurzem erschienen Streitschrift für Bildung mit dem Untertitel „Abschied vom lebenslänglichen Lernen“ (Wien: Löcker 2012) stellt Lenz die Frage, ob Bildung dazu beitragen kann, ein friedliches Leben zu führen und er meint damit ein Leben das „den eigenen Bedürfnissen“ entspricht, das aber auch „Rücksicht auf die Interessen anderer Menschen“ nimmt. Lenz bejaht die Frage, meint aber, dass „Bildung aus dem Korsett diverser Gruppeninteressen und ihren Einflüssen“ zu befreien sei. Sein Bildungsverständnis skizziert Werner Lenz kurz und prägnant: „Mein Verständnis von Bildung beschreibt nicht die Erlösung aus der realen Welt: sie beschreibt nicht, wodurch ich mich verbessere, vervollkommne oder ‚veredle‘ und somit über meine Mitmenschen erhebe. Mit Bildung drücke ich den Prozess aus, in dem sich Menschen lernend ihres Daseins vergewissern und sich kommunizierend auf ihre Mitmenschen einlassen“ (S. 196f.).

Bildung benötigt Raum und Mut: „Wer Bildung fördern will soll Raum geben für Prozesse der Selbstreflexion, für Zweifel und Widerstand, für Analyse und Begründungen, für Fehler, Irrtümer und vor allem für den Mut, immer wieder neu anzufangen“ (S. 201).


Diese Laudatio von Gerhard Bisovsky erscheint Ende September auch in der Zeitschrift Die Österreichische Volkshochschule >>.