wb15 - NL Dezember Tag der WB

Symbiose Erwachsenenbildung und Regionalentwicklung – damit lebensbegleitendes Lernen gelingt

Eine Kurz-Zusammenfassung und die Präsentationsunterlagen zur Veranstaltung


LERNEN ist in Zusammenhang mit der zukunftsfähigen Gestaltung regionaler Räume von zentraler Bedeutung. Dementsprechend bedarf es einer Weiterbildungslandschaft, die vielfältige und leicht zugängliche Angebote gewährleistet. Mit der Bundesstrategie LLL:2020  zum lebensbegleitenden Lernen in Österreich sollen dahingehend die unterschiedlichen Politikfelder miteinander verknüpft werden.

Am Tag der Weiterbildung 2015

stellten wir diese strategischen Ziele zum lebensbegleitenden Lernen in den regionalen Kontext und bezogen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse ein.

Es wurde beleuchtet, welche Schlüsselrollen Bildung in der Regionalentwicklung einnimmt und welche Voraussetzungen notwendig sind, damit Erwachsenenbildung und Regionalentwicklung funktionell und im Sinne des lebensbegleitenden Lernens zusammenwirken können.

Erste Rückmeldungen zur Veranstaltung zeigen bereits erste erfreuliche Annäherungen für künftig vernetzteres Zusammenwirken.

Dr. Joachim Gruber, der Direktor des Bildungshauses Schloss Retzhof, begrüßte zum Tag der Weiterbildung 2015 und Landtagsabgeordnete Mag.a Bernadette Kerschler überbrachte herzliche Grußworte von Bildungslandesrätin Mag.a Ursula Lackner.

Voraussetzungen für bedarfsorientiertes Lernen in der Region

Lernen in der Peripherie. Über die räumliche Neuorganisation sozialer Nähe und die Rolle der Erwachsenenbildung

(Vortrag Rudolf Egger, Universität Graz)

Der ländliche Raum in Österreich war und ist beständig demographischen und ökonomischen Umwälzungen unterworfen. Zu den größten Herausforderungen mit denen viele ländliche Regionen zu kämpfen haben, gehören heute die Abwanderung junger, gebildeter Personen in die urbanen Ballungszentren und eine damit verbundene Homogenisierung der ländlichen Gesellschaft. Verschärfend wirkt hier der Faktor, dass ländliche Gebiete, wie auch die OECD aufzeigt, ein niedriges öffentliches Dienstleistungsangebot aufweisen, eine Versorgung mit unterstützenden Institutionen beispielsweise im Bildungsbereich daher häufig nicht ausreichend gegeben ist.

Ist eine nachhaltige Verbesserung der sozialen und regionalen Bildungsgerechtigkeit noch Thema in unserer Gesellschaft, ist das Verhältnis des sogenannten öffentlichen Raums und der privaten Verfügungsbereiche immer wieder zu bestimmen. Regionalisierende Festschreibungen sozialer und materieller Gegebenheiten bzw. deren wirtschaftlichen Inklusions- und Exklusionsphänomene sind Ausdruck gesellschaftspolitischer Selbstvergewisserungsprozesse, welche Lebensbedürfnisse öffentlich sichergestellt werden (müssen) und inwieweit der Staat eine solche Sicherstellung als demokratiepolitischen Sicherungsauftrag versteht.

Die Paradigmen Markt oder Staat, Eigenverantwortung oder Gemeinwesen sind hierbei zwar auf vielen Ebenen grundsätzlich kombinierbar, letztlich müssen aber zwei Fragen geklärt werden: Wie viel Ungleichheit kann eine Gesellschaft ertragen und welches Verhältnis von Gesellschaft und Individuum wird dabei vorausgesetzt?

Input von und offene Diskussion mit

Günther Monschein (Land Steiermark, Abteilung 17 Landes- und Regionalentwicklung), der über die Regionalentwicklung und Leader-Förderprogramme informierte.

Präsentationsunterlagen Egger >>
Präsentationsunterlagen Monschein >>


Bildung – Schlüsselressource in der Regionalentwicklung 

(Vortrag: Gerlind Weber, BOKU Wien)

Die demographische Entwicklung vieler ländlich geprägter Regionen und Gemeinden ist dadurch gekennzeichnet, dass ihre Bevölkerungszahl stark rückläufig ist. Dies gründet vor allem darin, dass diese Räume unter einem anhaltenden Schwund an Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen leiden. Der fehlende Nachwuchs offenbart sich in einem Mangel an Kindern schon im Vorschulalter und setzt sich über die Volks-, Haupt und Neue Mittelschule fort. Während die bis zur Matura führenden Schulen noch nicht an Schülermangel leiden, klafft kontrastierend dazu ein immer größer werdendes Loch bei denjenigen jungen Leuten, die sich für eine Lehre entscheiden.

Ganz prekär wird die Situation aber dadurch, dass einer der wichtigsten „Exportschlager“ strukturschwacher ländlicher Räume die Studierenden und BerufseinsteigerInnen zu sein scheinen. Die Städte ziehen die bildungshungrigen „Landinger“ an und binden diese durch ein attraktives Ausbildungs-und Arbeitsplatzangebot langfristig an sich. Dieser fortgesetzte „Aderlass“ an Hoch-Qualifizierten und Ambitionierten wird aber zunehmend zum Entwicklungshemmnis in den Herkunftsregionen. Ein Teufelskreis tut sich dort auf: Durch Bildung soll der fehlende Nachwuchs am Land regionalökonomisch kompensiert werden. Zugleich ist Bildung aber ein entscheidender Treiber gerade für die Landflucht.

Input von und offene Diskussion u.a. mit:

Irina Ehgartner (Bildungstreff Oberes Murtal) stellte die Aufgaben und Angebote aus dem Bildungstreff Oberes Murtal, der als Modell für eine gelungene regionale Vernetzungsstelle gilt, vor und Gerwig Romirer (Stift St. Lambrecht) zeigte anhand der Schule des Daseins die Rolle eines Bildungshaus im Sinne des lebensbegleitenden Lernens in einer ländlichen Region auf.

Präsentationsunterlagen Weber >>
Präsentationsunterlagen Ehgartner >>

Wir danken

allen Referentinnen und Referenten für die überaus interessanten Inputs, allen TeilnehmerInnen für Ihr Interesse und die Diskussionsbeiträge und dem Bildungshaus Schloss Retzhof für die gute Kooperation und Gastfreundschaft.


Foto von Hannes GalterUniv.-Doz. Dr. Hannes Galter Urania Steiermark, Bildungsnetzwerk Steiermark

Hannes Galter studierte Orientkunde, Germanistik und vergleichende Sprachwissenschaft. Er arbeitet seit 1991 in der Erwachsenenbildung und leitet seit 1996 als Direktor die Österreichische Urania für Steiermark. In dieser Zeit war er inhaltlich und gestaltend in zahlreiche nationale und internationale EB-Projekten eingebunden – unter anderem in das Zukunftsforum des VÖV, in die regionale08 und in den Aufbau der Basisbildung im Oberen Murtal. Organisatorisch und vernetzend wirkt er als stv. Vorsitzender des Bildungsnetzwerks Steiermark und als Geschäftsführer des Landesverbandes steirischer Volkshochschulen. Er ist Vorstandsmitglied im Verband österreichischer Volkshochschulen und Fachexperte für Erwachsenenbildung im Landeskulturförderbeirat der Steiermark.

Kontakt: +43 316 825688 79 | hdg@urania.at | http://www.urania.at/


Foto von Günther MonscheinMag. Günther Monschein Land Steiermark, Abteilung 17 Landes- und Regionalentwicklung

Günther Monschein studierte Betriebswirtschaft an der Universität Graz. Er war 10 Jahre lang Regionalmanager im EU-Regionalmanagement Oststeiermark und dort u.a. Projektleiter mehrerer Interreg-Projekte sowie innerhalb der EUREGIO Steiermark-Nordostslowenien Koordinator des Bereichs Tourismus. Nach drei Jahren in Consulting-Unternehmen im Bereich Projektmanagement von ETZ-Projekten in Spanien ist er seit Herbst 2009 Mitarbeiter beim Amt der Steirermärkischen Landesregierung, Abteilung Landes- und Regionalentwicklung.

Kontakt: +43 316 877-5476 | guenther.monschein@stmk.gv.at


gr - NL Dezember Tag der WBPrior Gerwig Romirer Benediktinerstift St. Lambrecht

Kontakt: +43 3585 2305-22 | gerwig@stift-stlambrecht.at | www.stift-stlambrecht.at


Foto von Gerlind WeberO.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Gerlind Weber 

Gerlind Weber studierte Soziologie, Raumplanung und Rechtswissenschaften in Wien. Bis zu ihrer Pensionierung 2012 leitete sie an der BOKU das Institut für Raumplanung und Ländliche Neuordnung.Heute kann sie auf über 300 wissenschaftliche Publikationen sowie ein breites Spektrum an raumwissenschaftlichen Studien verweisen. Sie lehrte an zahlreichen Universitäten und übte Gastprofessuren in Zürich und Kyoto aus. Gerlind Weber ist Mitglied in diversen Beiräten, Think Tanks, Fachjurien und Berufsverbänden. Sie lehrt in der Weiterbildung und postgradualen Ausbildung. Aktuell setzt sie als Konsulentin ihr wissenschaftliches Engagement fort.

Kontakt: +43 1 317 86 22 | profgerlindweber@gmail.com | www.gerlindweber.at


 Für Rückfragen zum Tag der Weiterbildung:

Bildungsnetzwerk Steiermark | +43 316 821373 | bildungsnetzwerk@eb-stmk.atwww.bildungsnetzwerk-stmk.at

Der Tag der Weiterbildung ist eine Kooperation von Bildungsnetzwerk Steiermark, Land Steiermark und Bildungshaus Schloss Retzhof.

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